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Konstruierte Identitäten im Werk von Franz Hodjak

Réka Sánta-Jakabházi

Heimat- und Identitätslosigkeit – diese Themen beschäftigen Schriftsteller, die ihr Geburtsland verlassen haben, seit jeher. Manche Autoren nehmen eine passive, resignierte Haltung gegenüber der Unmöglichkeit eines Ankommens im neuen Land ein, andere beharren auf der Illusion einer Heimatfindung. Das Motiv der Identität(slosigkeit) spielt auch in den Werken des aus Siebenbürgen stammenden Schriftstellers Franz Hodjak eine zentrale Rolle. In seinen Gedichten und Romanen behandelt er das Thema des Sich-fremd-Fühlens und der Identitätssuche, das Gefühl, nirgendwo zu Hause zu sein, mal mit heiterer Gelassenheit, mal mit resignierter Desillusionierung und behauptet: «In der Heimatlosigkeit besteht meine Identität.» Diese Untersuchung zeigt anhand verschiedener literaturwissenschaftlicher und soziopsychologischer Theorien Aspekte der Identität und Identitätsgestaltung in der Gattungs- und Formenwahl der Werke Franz Hodjaks auf.

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6. Identitätssuche in den Romanen von Franz Hodjak

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Die Frage nach der Identität und der Unmöglichkeit, sich „in die Schublade ei- nes Identitätsmusters“ einzuordnen, behandelt Franz Hodjak in den Romanen Grenzsteine und Ein Koffer voll Sand, die während der dritten Schaffensperiode entstanden sind. Durch die ironisch zugespitzte Darstellung der stark autobio- graphisch geprägten Lebenswege der beiden Protagonisten, Harald Frank und Bernd Burger, äußert sich Hodjak zu dem Problem des Heimatverlustes einer schwindenden Minderheit – der Deutschen aus Siebenbürgen. Die Protagonisten der Romane sind Außenseiter, die ständig auf der Flucht sind und die ihre Freiheit in der Heimat- und Identitätslosigkeit sehen. Sie wei- sen die Zugehörigkeit zu einer Nation oder zu einer geographischen Region ent- schieden ab und fühlen sich glücklich, wenn sie ohne Reiseziel durch die Welt irren. Um die Irrwege der beiden Romanfiguren Harald Frank und Bernd Burger zu gestalten, greift Franz Hodjak zwei in der Weltliteratur sehr bekannte und häufig bearbeitete Themen auf, nämlich die Gralssuche des Parzival bzw. die Heimatsuche des Odysseus. 6.1. „Nur wer allein ist, schafft es“. Der Ausreißer und Außenseiter Harald Frank im Roman Grenzsteine Der Roman Grenzsteine behandelt ein wichtiges Kapitel der Geschichte der Deutschen in Rumänien, nämlich die Periode, die unmittelbar auf die Revolution von 1989 folgte. Nach dem Sturz Ceauescus beschleunigte sich die schon in den Siebziger- und Achtzigerjahren begonnene Auswanderung der deutschen Minderheit nach Deutschland. Innerhalb eines halben Jahres entschlossen sich über 100.000 Rumäniendeutsche zur Ausreise.489 Auf der Ebene...

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