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Konstruierte Identitäten im Werk von Franz Hodjak

Réka Sánta-Jakabházi

Heimat- und Identitätslosigkeit – diese Themen beschäftigen Schriftsteller, die ihr Geburtsland verlassen haben, seit jeher. Manche Autoren nehmen eine passive, resignierte Haltung gegenüber der Unmöglichkeit eines Ankommens im neuen Land ein, andere beharren auf der Illusion einer Heimatfindung. Das Motiv der Identität(slosigkeit) spielt auch in den Werken des aus Siebenbürgen stammenden Schriftstellers Franz Hodjak eine zentrale Rolle. In seinen Gedichten und Romanen behandelt er das Thema des Sich-fremd-Fühlens und der Identitätssuche, das Gefühl, nirgendwo zu Hause zu sein, mal mit heiterer Gelassenheit, mal mit resignierter Desillusionierung und behauptet: «In der Heimatlosigkeit besteht meine Identität.» Diese Untersuchung zeigt anhand verschiedener literaturwissenschaftlicher und soziopsychologischer Theorien Aspekte der Identität und Identitätsgestaltung in der Gattungs- und Formenwahl der Werke Franz Hodjaks auf.

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7. Identitätsspiele und Freiheitsproblematik im Monodrama

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Neben Gedichten, Erzählungen und Romanen, in denen er sich mit der Proble- matik der Identität, der Freiheit und der Fahrt ohne Ankunft auseinandersetzt, versuchte sich Hodjak auch im Verfassen eines dramatischen Werkes, eines Mo- nodramas, in dem er erneut auf die historische Figur Villons zurückgriff. Durch die metaphorische Identifikation mit dem mittelalterlichen Vagantendichter kommt es zu einer Auseinandersetzung mit der allanwesenden, gesichtslosen Macht, die das Leben der Künstler seit Jahrhunderten bestimmt und sowohl die menschliche als auch die künstlerische Freiheit einschränkt. Da kein wahrhafti- ger Dialog zwischen dem Individuum und der Macht existieren kann, greift Ho- djak auf die Tradition einer in der rumäniendeutschen Literatur gänzlich unge- bräuchlichen literarischen Gattung zurück, auf die des Monodramas. 7.1. Zur Gattungsdefinition und -geschichte Das Monodrama ist eine wenig beachtete Gattung. Es gibt lediglich wenige Bei- spiele für dieses Ein-Personen-Stück, das ein eigenartiges dramatisches Spiel darstellt, einen Versuch eines Dialogs zwischen Autor und Leser bzw. zwischen Darsteller und Zuschauer, ein Spiel, das an die Grenzen der Kommunikation stößt. Das Monodrama gilt als marginale Gattung in der Literatur und es existiert lediglich eine geringe Anzahl an Werken dieser Dramenkategorie. In der rumä- niendeutschen Literatur finden wir nur ein einziges Beispiel dieser Gattung: das Monodrama von Franz Hodjak, Franz, Geschichtensammler,598 welches in der vorliegenden Arbeit untersucht wird. In der gegenwärtigen rumänischen Litera- tur erfreut sich diese experimentelle Gattung großer Beliebtheit. Während der letzten Jahre sind zahlreiche Monodramen...

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