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Schreiben für den Hof als Weg in den Hof

Der "Pentalogus </I>des Enea Silvio Piccolomini (1443)

Kristina Wengorz

Der Pentalogus ist die erste Schrift, die der Sekretär und poeta laureatus Enea Silvio Piccolomini (Pius II.) am Hof Friedrichs III. verfasste. Er ist Ausdruck seines humanistischen Selbstverständnisses. In Dialogform schildert Enea Silvio ein fiktives königliches Ratsgespräch über die Themen Hof und Fürst sowie Kirche und Reich. Damit will er am Hof ein erweitertes Bewusstsein für die Bedeutung des Humanismus wecken und sich selbst sozial und politisch neu positionieren: Künftig will (und wird) er hier vor allem als Gesandter, Redner und königlicher Rat wirken. Die Frage nach den Funktionen des Humanismus lenkt bei der Analyse und Interpretation der literarischen Form und der Themen des Pentalogus den Blick auf Enea Silvio und die Leser des Dialoges («den Hof») gleichermaßen.

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Teil A: Autor, Werk und Rezeption

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15 II Enea Silvio Piccolomini und der Humanismus in Deutschland 1 Vom Basler Konzil zum Königshof Friedrichs III. Der Italiener Enea Silvio Piccolomini kniet, die Arme vor der Brust gekreuzt und den Kopf demütig gesenkt, auf der mittleren der drei Stufen vor einem mit Arabesken reichverzierten Baldachinthron. Friedrich III., gewählter römisch-deutscher König, angetan mit einem prächtigen Gewand aus leuchtendem Goldbrokat, beugt sich vor, um dem vor ihm Knieen- den einen Lorbeerkranz aufs Haupt zu setzen. Auf dem großen, sonnenbeschienenen Platz ist eine bunt gemischte Schar von Zuschauern versammelt: Krieger, Geistliche, Bürger und auswärtige Gesandte. Zwei Bücher liegen auf der untersten Stufe des Throns, als sei soeben in ihnen geblättert worden. So stellte Pinturicchio (eigentlich Bernardino di Betto, * 1454; † 1513) zu Beginn des 16. Jahrhunderts die Dichterkrönung Enea Silvio Piccolominis in dem bekannten Freskenzyklus der Libreria Piccolomini im Dom von Siena dar.1 Darüber, wie sich die Krönung des Italieners zum poeta laureatus, die am 27. Juli 1442 während des Frankfurter Reichstages2 stattfand, im Einzelnen tatsächlich abgespielt hat, liegen jedoch keine Quellen vor. 1 Die besten Abbildungen sind wohl die Fotografien von Ghigo Roli in: settis/toracca, Libreria Pic- colomini, S. 72–79; Abbildungen auch bei ceccHi, Libreria Piccolomini, S. 30, das Detail S. 31; vgl. dazu auch ebd., S. 35 f. Aus kunsthistorischer Perspektive vgl. escHe, Libreria Piccolomini; zum oben beschrie- benen Fresko S. 44 f. Ebd., S. 254 f. stellt die Autorin fest, dass es...

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