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Malta und die Boatpeople

Eine Ethnologie der interkulturellen Begegnung

Sarah Weber

Europa ringt an seinen Außengrenzen, aber auch im Innern, um Integration. Immer dringlicher wird die Frage nach der Gestaltung unseres Zusammenlebens. Die Arbeit nimmt dieses Problem auf der Mittelmeerinsel Malta in den Blick. Dort treffen durch Migrationsbewegungen von Afrika nach Europa Menschen unterschiedlicher Herkunft aufeinander. Ihre Lebenswelten geraten dadurch in Bewegung: Sie erleben dabei Momente der Irritation und der Unsicherheit. Die Studie geht nicht dem Offensichtlichen nach, sondern analysiert die Komplexität alltäglicher Interaktionen zwischen Einheimischen und Neuankömmlingen. Damit gibt sie einerseits neue Antworten auf die Frage, was derzeit an den Grenzen Europas geschieht, und andererseits Impulse zum Nachdenken darüber, wie wir in Zukunft einander begegnen wollen.

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doch einige besondere Herausforderungen an die Ethnologin, nicht nur was die schmerzhafte Anerkennung eigener Verstrickungen in rassistische oder neoko- loniale Diskurse anbelangt, deren volles Ausmaß selbst in der selbstreflexiven und retrospektiven Bewusstmachung nicht erschlossen werden kann. Diese Art des Umgangs mit den Daten, das Schreiben über die Situationen, in denen ich, wie in meinem Feldtagebuch notiert, mal Wider-Sinn, mal Kollaboration und manchmal beides zugleich betrieb, bedeutet auch, diesemReflexionsprozess viel Raum zuzugestehen und dabei Gefahr zu laufen, den ursprünglichen Gegen- stand des Interesses, die Involviertheit der Akteure auf Malta ins Migrationsge- schehen, darüber in den Hintergrund treten zu lassen. Deshalb will ich im Fol- genden noch einmal deutlich machen, was diese Art der Sichtbarmachung der Ethnologin im ethnografischen Text – soll sie nicht Selbstzweck sein – zur In- terpretation von Begegnungen aus postkolonialer Perspektive beitragen kann. 4.1.1 Die Ethnologin als Geschichtenerzählerin: Das ethnografische Selbst Die Themen meines Projekts sind Grenzpraktiken, Abgrenzungsstra- tegien, Distanzierung, Fremd- und Selbstbild. All diese Alltagsstrate- gien sind aber nicht nur an den anderen beobachtbar, sondern rei- chen tief in mich hinein, durchdringen mich, gehen manchmal wie Geschosse durch mich hindurch. (. . . ) Es sind Wechselspiele aus Nähe und Distanz (. . . ). Die Realität bemächtigt sich meiner, der Blick der Anderen erschafft meine Oberfläche neu, während mein Herz woan- ders zu weilen scheint. Ich bin eine Figur, eine Protagonistin in einem Roman über Malta, und fühle mich prosaisch und profan. Wenn ich schreibe, die Realität bemächtigt sich meiner, so...

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