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Die Intention betriebswirtschaftlicher Hochschullehrer zur Beeinflussung von Werten

Konzeptionelle Entwicklung und globale empirische Überprüfung

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Dirk Moosmayer

Aus den wirtschaftlichen Turbulenzen des vergangenen Jahrzehnts leitet sich die Frage nach der Verantwortung für die Gestaltung der Wirtschaftslandschaft ab. Die Arbeit untersucht daher, ob betriebswirtschaftliche Hochschullehrer die Werte ihrer Studierenden beeinflussen wollen und entwickelt ein detailliertes konzeptionelles Modell. Zur Modellvalidierung werden deskriptive Analysen, Strukturgleichungsmodelle und Clusteranalysen auf Daten aus einer weltweiten Befragung von 1.741 betriebswirtschaftlichen Hochschullehrern angewendet. Die Analysen zeigen weltweit eine starke Intention zur Wertebeeinflussung, mit besonderer Werteskepsis in Deutschland. Die Unterstützung von Kollegen und Verbänden erwies sich als wichtige Voraussetzung für die Steigerung der Beeinflussungsintention.

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1. Einleitung

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1.1. Einführung in die Thematik Die Entwicklung sozialer Kompetenzen hat sich neben der Vermittlung von Fachkompetenz als Anforderung an die betriebswirtschaftliche Hochschulaus- bildung etabliert (Hansen 1999). Der Einbezug von Fähigkeiten wie Kommuni- kationskompetenz, Teamfähigkeit oder Zeitmanagement änderte jedoch nichts daran, dass die aus den Fachinhalten resultierenden wertebezogenen, morali- schen Fragestellungen von der breiten Masse der Wissenschaftler unberücksich- tigt blieben (McPhail 2001; Ghoshal 2005; Kashyap et al. 2006). Im vergange- nen Jahrzehnt wurde diese Vernachlässigung wertebezogener Perspektiven in der Wirtschaftspraxis sichtbar in verschiedenen Krisen, die erheblichen Einfluss auf die weltweiten Finanz- und Wirtschaftssysteme hatten. So führte der Bilanz- betrug des amerikanischen Energiekonzerns Enron zu dessen Insolvenz und in der Folge zur Zerschlagung der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Arthur Ander- son1. Die Verfolgung überproportionaler Gewinnchancen im amerikanischen Immobiliensektor, verbunden mit erheblichen privaten Bonuszahlungen für die beteiligten Manager, führte zur Inkaufnahme von Risiken, deren Eintreten ohne politisches Eingreifen wohl zu einem Zusammenbruch der globalen Finanz- märkte geführt hätte2. Diese Krisen waren der Ausgangspunkt einer weltweiten Kritik an Mana- gern, denen ein Versagen hinsichtlich ihrer wertebezogenen, ethischen Hand- lungskompetenz vorgeworfen wurde. Deutsche Politiker sprachen in diesem Zu- sammenhang von „Heuschrecken-Kapitalismus“ (Müntefering 2005) und von der Wirtschaft als „Monster“ (Köhler 2009). Derart in die Kritik geraten, wiesen Unternehmen darauf hin, dass es Business Schools und betriebswirtschaftlichen Fakultäten nicht gelinge, ihren Absolventen wertebezogene, ethische Leitmaxi- men zu vermitteln, die sie in der Praxis als verantwortlich handelnde Manager einsetzen können (Bennis & O’Toole 2005; Kashyap...

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