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Die Intention betriebswirtschaftlicher Hochschullehrer zur Beeinflussung von Werten

Konzeptionelle Entwicklung und globale empirische Überprüfung

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Dirk Moosmayer

Aus den wirtschaftlichen Turbulenzen des vergangenen Jahrzehnts leitet sich die Frage nach der Verantwortung für die Gestaltung der Wirtschaftslandschaft ab. Die Arbeit untersucht daher, ob betriebswirtschaftliche Hochschullehrer die Werte ihrer Studierenden beeinflussen wollen und entwickelt ein detailliertes konzeptionelles Modell. Zur Modellvalidierung werden deskriptive Analysen, Strukturgleichungsmodelle und Clusteranalysen auf Daten aus einer weltweiten Befragung von 1.741 betriebswirtschaftlichen Hochschullehrern angewendet. Die Analysen zeigen weltweit eine starke Intention zur Wertebeeinflussung, mit besonderer Werteskepsis in Deutschland. Die Unterstützung von Kollegen und Verbänden erwies sich als wichtige Voraussetzung für die Steigerung der Beeinflussungsintention.

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2. Wissenschaftstheoretische Einordnungen

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2.1. Ein Rahmen werteorientierter Analyse betriebswirtschaftlicher Wissenschaft Die Auseinandersetzung mit Werten in den Wissenschaften im Allgemeinen und in den Wirtschaftswissenschaften im Besonderen findet auf verschiedenen Ebe- nen statt. Generisch unterscheidet die Wissenschaftstheorie dabei die interne Ebene wissenschaftlicher Aussagen (Wissenschaftsphilosophie) und die externe Ebene des Wissenschaftsprozesses (Wissenschaftssoziologie) (ähnlich Wied- mann 1993; Raffée 1974)19. Diese beiden seien hier kurz vorgestellt und an- schließend näher beleuchtet. Auf der Ebene wissenschaftlicher Ideen, Gesetze und Konzepte stellt sich die Frage, welchen Einfluss Werte haben und wie mit Werten umgegangen wird. Diese Aspekte werden im Rahmen der Wissen- schaftsphilosophie, insbesondere der Erkenntnistheorie, diskutiert. Die soziale, kulturelle, politische, historische und empirische Ebene betrifft die Welt, in der der Wissenschaftler als Mensch lebt und arbeitet. Hier stehen die Werte des Wissenschaftlers in seiner Arbeitsumgebung in Interaktion mit Kollegen und diversen Anspruchsgruppen im Zentrum der Diskussion. Dieser Aspekt ist Ge- genstand der Wissenschaftssoziologie. Verdeutlicht sei das Spannungsfeld zwischen wissenschaftsphilosophischen und wissenschaftssoziologischen Positionen am Beispiel der Werte Uneigennüt- zigkeit („Disinterestedness”) und finanzieller Erfolg. Nach wissenschaftstheore- tischer Perspektive (z.B. Merton 1942/1973) ist Uneigennützigkeit ein Wert, der logisch-deduktiv von den Grundbedingungen für das Betreiben von Wissen- schaft abgeleitet wird. Andere persönliche Werte, wie finanzieller Erfolg und Wettbewerb, werden nicht in die Betrachtung aufgenommen oder werden für einen Wissenschaftler als ‚falsch’ erachtet. Die wissenschaftssoziologische Per- spektive hingegen geht nicht von logisch-deduktiven Grundbedingungen son- dern vom sozialen Anwendungskontext von Wissenschaft aus und legitimiert Werte entsprechend aus ihrer Relevanz in der Wissenschaftsrealität. Auch dabei k...

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