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Broch und Witkacy – eine literarische Begegnung

Agnieszka Hudzik

Thema dieser Arbeit ist das Schaffen von Hermann Broch (1886–1951) und Stanisław Ignacy Witkiewicz alias Witkacy (1885–1939) – der moderne Roman an der Grenze zwischen Literaturwissenschaft und Philosophie. Das Ziel der Studie besteht darin, durch close reading die formalen und inhaltlichen Ähnlichkeiten zwischen den Romanen beider Autoren aufzuweisen, die bisher noch nicht zusammen untersucht wurden. Sie lebten im multikulturellen «Schmelztiegel» Mitteleuropas, schufen im Rahmen derselben gesellschaftlichen und künstlerischen Imaginarien der Zeitenwende, waren von ähnlichen intellektuellen Moden und Stimmungen beeinflusst. Die Mikroanalysen betreffen drei Themen: Kunst, Nationalidentität, Experimente mit der Form.

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4 Experimente mit der Form

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Die Gattung des Romans musste sich seit ihrer Entstehung mit Legitimationsproblemen auseinandersetzen. Ohne einen tiefgründigen begriffs- und gattungsgeschichtlichen Rückblick kann man feststellen, dass man im späten Mittelalter mit dem Wort Roman begann, eine neue Gattung in Prosa zu bezeichnen, die in einer nicht metrischen Form in den Volkssprachen die schon vorhandenen Versepen und Stoffe nacherzählte. Im Vergleich zum großen Heldenepos galt sie also als literarisch minderwertig – sie war weder poetisch noch originell. Diese Argumente musste sie entkräften, um Anerkennung zu finden. Die Selbstreflexion war dementsprechend in den Roman von Anfang an programmatisch eingeschrieben. Der Roman erlebte aber erst im vorigen Jahrhundert eine Art von Huldigung seiner Geschichte. Sowohl in der Philosophie als auch in den weit aufgefassten Geisteswissenschaften wurde er als Mitgestalter des Bewusstseins des modernen Menschen anerkannt. Es lohnt sich, auf diesen, heute schon kanonischen Erzähl- rahmen über den Roman kurz zu rekurrieren, um dann mit dieser Perspektive die Werke von Broch und Witkacy vergleichen zu können. Zur Tendenz der Würdi- gung dieser Gattung trug ganz gewiss die These von Georg Lukács bei, die be- sagte, dass der Roman die Neuzeit von der Geburt an begleitet. Diese Ansicht wurde in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts mit großem Erfolg beim Pub- likum von Milan Kundera wiederholt. In seinem berühmten Buch Die Kunst des Romans huldigt er „dem verkannten Erbe von Cervantes“, indem er darauf hin- weist, dass der Roman, im Gegensatz zur rationalistisch-kartesianischen Philo- sophie, die...

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