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Intertextualität in der lusophonen Literatur

Ein Blick auf Fernando Pessoa und Clarice Lispector

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Claudia Piechocki

Der portugiesische Autor Fernando Pessoa und die brasilianische Autorin Clarice Lispector prägen die literarische Moderne. Die Untersuchung der von ihnen gewählten Sujets lässt viele Parallelen erkennen. Pessoa wie Lispector erheben die Seelenvielfalt, den Ich-Zerfall und die Entpersönlichung zu den Themen ihrer Lyrik bzw. Prosa. Vor allem Lispectors Erstlingsroman, Nahe dem wilden Herzen, weist diese Charakteristika auf. Aus einer intertextuellen Analyse von Lispectors Roman und Pessoas drei wichtigsten Heteronymen, Alberto Caeiro, Ricardo Reis und Álvaro de Campos, resultieren zwei Gemeinsamkeiten: Das Dreieck, das als intertextuelles Muster auftritt, und architextuelle Referenzen im Sinne Gérard Genettes.

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2. Intertextualität

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2.1. Der Text Bereits die zahlreichen Definitionen des Wortes Text, die vom lateinischen ‚textus‘ (Gewebe, Geflecht) ausgehen, setzen Rezipientinnen und Rezipienten damit auseinander, wo und wie die Grenzen innerhalb des textuellen und literarischen Feldes abgesteckt oder erweitert wer- den. Deshalb ist es auch relevant, sich mit diesen Bestimmungen in der Einführung in die Intertextualität auseinanderzusetzen. Der Text kann beispielsweise als eine „Verkettung sprachlicher Einheiten zu einem Werk“7 verstanden werden, ist aber genauso als eine „begrenzte Folge von sprachlichen Zeichen“8 deutbar. Ältere Ansätze sehen in ihm eine (schriftlich) fixierte sprachliche Einheit, die in der Regel mehr als einen Satz umfasst; in der modernen textwissenschaftlichen Literatur wieder- um stehen die kommunikativen Eigenschaften im Vordergrund,9 ergo die Gegenüberstellung von mündlich vs. schriftlich oder Monolog vs. Dialog. Item, auch bei den Grundlagen für die Entstehung eines Textes ist nicht von einer isolierten Existenz von Wörtern die Rede, sondern von einer Verkettung, Aneinanderreihung beziehungsweise Verknüpfung. Die Suche nach einer adäquaten Definition, die in jedem Kontext anwendbar wäre und sozusagen eine Universalanwendung ermöglichte, erinnert an die Forschungen der Bibliothe- kare in Borges’ La Biblioteca de Babel – Erzählung aus dem Band Ficciones10 – zur Existenz eines Buches, das, basierend auf 25 orthografischen Symbolen, nicht nur das Geheimnis um die Herkunft des Menschen, sondern auch der anderen Bücher – jedes davon ein originales Einzelstück – lüften würde. Schließlich muss eine Art Ausgangspunkt gegeben sein, von dem aus sich die divergenten Genres...

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