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Sterbeorte in Deutschland

Eine soziologische Studie

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Michaela Thönnes

Sterben ist ein sozialer Prozess, der in Abhängigkeit vom Sterbeort sehr unterschiedlich verläuft. Das Buch will anhand einer umfassenden Darstellung des soziologischen Forschungsstands die Wissenslücken um die Sterbeorte aufdecken und schließen. Um zu verstehen, wie unterschiedlich Sterben an verschiedenen Orten determiniert ist, wurden qualitative Interviews mit Angehörigen durchgeführt, die Sterbende begleitet hatten. Welche Vorstellungen, welches Wissen und welche Einstellungen gegenüber den verschiedenen Sterbeorten liegen in der Gesellschaft vor? Die Ergebnisse der Studie verdeutlichen die Komplexität der sozialen Abläufe im Sterbeprozess, welche sich aus Kommunikation, Emotionalität, Wünschen und Zielen ergeben.

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4. Theoretischer Hintergrund

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Der Symbolische Interaktionismus bildet die theoretische Grundlage zur Analyse der Sterbeorte in der vorliegenden Untersuchung. Im Folgenden werden die allgemeinen Grundlagen des Symbolischen Interaktionismus aufgezeigt, um diese in einen engen Bezug zum Thema Sterben und Sterbeorte zu setzen. Soziologische Untersuchungen analysieren Werte und Normen. Das Sterben und die Handlungen der Menschen im Sterbeprozess ist eine mit Werten ausgestattete Dimension der menschlichen Existenz. In jedem Ereignis werden Werte entworfen oder gebildet, welche wiederum die Erfahrung der Beteiligten am Sterbeprozess formen (vgl. Charmaz 1980: 12ff.). Dieser Zusammenhang bildet den konzeptuellen Zugang des Symbolischen Interaktionismus zur Untersuchung des Sterbens und der Sterbeorte. 4.1 Die Wirklichkeit des Todes und der Symbolische Interaktionismus Der Symbolische Interaktionismus geht davon aus, dass das Selbst und die sozialen Strukturen durch die ständige Interaktion miteinander gebil- det werden. Es handelt sich hierbei um eine theoretische Perspektive der Soziologie, welche annimmt, dass Gesellschaft, Wirklichkeit und das Selbst durch einen Interaktionsprozess sozial geschaffene oder soziale Kreaturen sind. Demzufolge ist all das, was wir wissen, wie wir Situatio- nen in der Welt definieren und wer wir sind, durch Interaktionen ent- standen (vgl. Mead 1973, Blumer 1969). Die Position des Symbolischen Interaktionismus baut auf der Prämisse auf, dass der Interaktions-Prozess auf einem Interpretations-Prozess beruht, was zur Folge hat, dass das Indi- viduum durch die interaktionistische Perspektive in seinen Fähigkeiten durch den ständigen Reflexionsablauf stark beansprucht wird. Diese Be- tonung der Reflexion vermittelt ein Menschenbild, welches von Kreativi- tät und Aktivität geprägt ist. Es stellt den Gegentypus...

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