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40 Jahre Leichenshow – Leichenschau

Die Veränderung der audiovisuellen Darstellung des Todes im Fernsehkrimi "Tatort</I> vor dem Hintergrund des gesellschaftlichen Wandels im Umgang mit Sterben und Tod

Stephan Völlmicke

«Tod im Fernsehen» und «Tod in der Realität» haben auf den ersten Blick nicht viel miteinander zu tun, auf den zweiten Blick jedoch ist auch der fiktive Tod in Film- und Fernsehsendungen immer ein Produkt des Umgangs mit dem Tod in der Gesellschaft und umgekehrt. Die Arbeit beschäftigt sich mit der Darstellung des Todes in den Medien, speziell im Tatort, und reflektiert dabei den Umgang mit Sterben und Tod in der Gesellschaft. In einer Langzeituntersuchung werden die Veränderungen der filmisch-gestalterischen Mittel der Todesdarstellung in der Krimireihe Tatort analysiert. Die Arbeit zeigt, dass es eine offensichtliche Tendenz zu immer längeren und gleichzeitig sehr nahen, distanzarmen Todesdarstellungen gibt, die eine bis dahin ungewohnte, sehr direkte und detailreiche Perspektive auf den toten Körper offeriert. Die Arbeit macht zudem deutlich, dass die Gründe für die zunehmenden und drastischeren Todesdarstellungen im Fernsehen nicht ausschließlich auf ihren hohen Unterhaltungswert zurückzuführen sind, sondern dass die gesellschaftlichen Veränderungen im Umgang mit Sterben und Tod einen wesentlichen Einfluss auf die Art und Weise der Todesdarstellungen im Fernsehen haben. Die Erzählungen vom Tod in den Medien thematisieren die in der Gesellschaft vorherrschenden Definitionen von Tod.

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5. Praktischer Teil

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5.1 Fragestellung Filme und Fernsehsendungen gehören zu den „[…] visuellen Formen, in und mit denen sich eine Gesellschaft darstellt.“ (Denzin 2000: 417) Über einen langen Zeitraum ist diesen ein sozialer Wandel deutlich eingeschrieben, denn sie „[…] thematisieren den Wandel in den sozialen Beziehungen, vermitteln Welt- und Lebensanschauungen, enthalten komplette Gesellschaftsbilder und behandeln alles, was im Leben von Bedeutung ist: Geburt, Familie, Gewalt, Krankheit, Liebe, Sexualität, Tod.“ (Schroer 2007: 7) Filme und Fernsehsendungen bieten aus dieser filmsoziologischen Sicht somit eine geeignete Quelle für die Analyse von gesellschaftlichen Veränderungsprozessen im Umgang mit Sterben und Tod. Aus dieser Perspektive können Aussagen über Zustand, die Befindlichkeit und die Struktur einer Gesellschaft sowie ihre Werte und Moralvorstellungen getroffen werden. Für die Analyse bietet sich dabei besonders das Krimigenre bzw. die Reihe Tatort an, denn er reagiert stets auf gesellschaftliche Verände- rungen und kann dementsprechend „[…] als Indikator für grundsätzliche gesell- schaftliche und kulturelle Veränderungsprozesse befragt werden […].“ (Viehoff 2005: 100) Aus einer handlungstheoretischen Perspektive wird die Bedeutung eines Films erst mit der aktiven Rezeption und Interpretation eines Zuschauers kon- struiert. Eine Fernsehsendung an sich ist kein Träger von Sinn, sie stellt allen- falls Bedeutungszuweisungsmöglichkeiten bereit. Diese Bedeutungszuweisung ist wiederum von den Bezugssystemen abhängig, auf die der Rezipient bei der Sinnkonstruktion zurückgreift (vgl. Mikos 2003a: 50). Das Einzige, was in die- ser Analyse geleistet werden kann, ist sich Bedeutungszuweisungsmöglichkeiten durch Kontextualisierung, durch das Heranziehen von Bezugssystemen zu nä- hern. Je nach Kontext können...

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