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Wertesysteme und Raumsemantik in den isländischen Märchen- und Abenteuersagas

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Werner Schäfke

Diese Arbeit widmet sich der spätmittelalterlichen Erzählliteratur Islands, wie sie in den sogenannten Märchen- und Abenteuersagas in Erscheinung tritt. Die Untersuchung stellt diese etablierte Gattungseinteilung in Frage und schlägt eine Neustrukturierung des Textkorpus auf der Grundlage der vermittelten Werte und Normen vor, die im Fokus der Analyse stehen. Die Arbeit weist nach, dass die vor allem in der älteren Forschung als stereotype Schemaliteratur betrachteten Texte sich hinsichtlich der immanenten Wertesysteme als äußerst vielfältig erweisen. Das hierarchische Gefüge von Normen wird differenziert herausgearbeitet und literaturhistorisch kontextualisiert in Bezug auf die Identitätskonstruktion der Protagonisten.

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VI Soziale Funktionalisierung

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Einleitend wurde unter Punkt I.1.1 angesprochen, dass die Grenzen zwischen den spätmittelalterlichen, „nachklassischen“ Saga-Genres, den Abenteuer- und Märchensagas, sehr unscharf sind. Formale Kriterien zur Trennung der Genres haben sich als wenig befriedigend erwiesen. Ausgehend von Warnings (1979, bes. S. 556–557) Forderung nach einer pragmatischen Beschreibung mittelalterlicher Genres kann die Diskussion über die Einteilung der spätmittelalterlichen Saga-Genres auf der Basis der Ergebnis- se dieser Arbeit erneut angestoßen werden.531 Zeigen sich zwischen den Texten große Unterschiede hinsichtlich ihrer Stellung in der Entwicklung der Wertvor- stellungen in der altnordischen Literatur, so kann dies als Indikator für eine Bin- nengliederung des Kontinuums Wikinger- und Abenteuersaga sowie Märchen- saga alias originale Rittersaga gewertet werden. Selbstverständlich kann eine geringe Auswahl an Saga-Texten keine Ergeb- nisse liefern, die ein neues Genre-System für die spätmittelalterlichen Sagas re- konstruieren lassen. Jedoch kann die These der Einheitlichkeit der Weltentwürfe in Abenteuer- und Märchensagas überprüft werden. Angesichts des Fortschritts in der narratologischen Theoriebildung sowie des Mangels an ausführlichen Un- tersuchungen zu einzelnen spätmittelalterlichen Sagas verspricht dieses Vorha- ben Erkenntnisgewinn. Die Erkenntnisse dieser Untersuchung, also aus literarischen Texten abgelei- tete moralische Systeme, sind durch Barnes’ (2000) und Glausers (1983) sozio- pragmatische Untersuchungen zur spätmittelalterlichen Sagaliteratur kompatibel mit der von Warning (1979, bes. S. 556–557) geforderten pragmatischen Be- schreibung von Genres. Ihr „Sitz im Leben“532 wurde von Barnes (2000) und Glauser (1983, bes. S. 219–233) eingehend beschrieben. Die hier extrahierten moralischen Systeme k...

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