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Kubas unentdeckte Wende

Wie die innere Reformdebatte Fidel Castros Revolution seit 1990 verändert hat

Harald Neuber

Kuba ist in Bewegung. Seit den Umbrüchen 1989/1990 hat sich in dem sozialistischen Karibikstaat eine rege Debattenkultur entwickelt. Der Autor weist an zahlreichen Beispielen nach, dass Künstler und Intellektuelle bei diesen Kontroversen um die Gewichtung sozialer und politischer Rechte in vorderster Reihe stehen. Dennoch werden sie im Diskurs über Kuba weitgehend ignoriert. Ohne den Blick auf die Kultur aber kann man die Veränderungen der Kubanischen Revolution und die Stabilität des sozialistischen Systems nicht verstehen. Mit diesem Buch hat der Autor erstmals eine Studie dieser innerkubanischen Debatte vorgelegt – und kommt zu erstaunlichen Ergebnissen.

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III. Kulturelle und politische Diskurse

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Die  kulturpolitischen  Diskurse  der  nun  gut  fünf  Jahrzehnte  seit  der  Kubani-­‐schen  Revolution  werden  von  programmatischen  Äußerungen  ihrer  Prota-­‐gonisten  der  ersten  Stunde  bestimmt.  Abgesehen  von  Fidel  Castros  „Worten  an  die  Intellektuellen“  aus  dem  Jahr  1961  (vgl.  II.3)  scheint  dabei  mitunter  eine  latente  Intellektuellenfeindlichkeit  durch,  wie  sie  bei  Ernesto  Guevara  zu  finden  ist:  La  culpabilidad  de  muchos  de  nuestros  intelectuales  y  artistas  reside  en  su  pe-­‐cado  original:  no  son  auténticamente  revolucionarios.  (Guevara  1965)  Die  mangelnde  Prägnanz  solcher  Äußerungen  diente  in  den  folgenden  Jah-­‐ren  wiederholt  auch  als  Einfallstor   für   repressive  Praktiken.  Sie   repräsen-­‐tieren,   wie   es   der   kubanische   Publizist   und   Essayist   Desiderio   Navarro  (2000)   formulierte,   „eine   außerordentliche   Polysemie,   die   sie   zum  haupt-­‐sächlichen   anerkannten   Bezugspunkt   der   folgenden   Perioden   und   im  Wi-­‐derstreit  befindlichen  Strömungen”  werden  ließ.  Tatsächlich  waren  vor  al-­‐lem   die   sechziger   Jahre   von   gegenteiligen   Entwicklungen   gekennzeichnet.  „Auf  den  Trümmern  des  Alten  wuchs  der  Geist  des  Neuen“,  schreibt  Pogo-­‐lotti  (2007:  x).  Das  hieß  auch,  dass  Swing-­‐  und  Jazz-­‐Musik  ebenso  aus  dem  öffentlichen  Leben  verbannt  wurde  wie  eine  als  antisozial  wahrgenommene  Volkskultur  –  wie  sich  im  Verbot  des  Dokumentarfilms  PM  1961  zeigte.  Auf  die  Aufbruchstimmung  nach  der  Revolution  folgte  also  die  repressive  Phase  des  sectarismo  in  den  Jahren  1961  und  1962.  Die  Antwort  der  Intellektuel-­‐len  blieb  nicht  aus.   „Ein  theoretischer  Fehler  wird  zu  einer  womöglich   fal-­‐schen  Handlung,  wenn  er  von  jenen  begangen  wird,  die  ihre  Meinungen  in  Entscheidungen  einfließen  lassen  können...

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