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Kubas unentdeckte Wende

Wie die innere Reformdebatte Fidel Castros Revolution seit 1990 verändert hat

Harald Neuber

Kuba ist in Bewegung. Seit den Umbrüchen 1989/1990 hat sich in dem sozialistischen Karibikstaat eine rege Debattenkultur entwickelt. Der Autor weist an zahlreichen Beispielen nach, dass Künstler und Intellektuelle bei diesen Kontroversen um die Gewichtung sozialer und politischer Rechte in vorderster Reihe stehen. Dennoch werden sie im Diskurs über Kuba weitgehend ignoriert. Ohne den Blick auf die Kultur aber kann man die Veränderungen der Kubanischen Revolution und die Stabilität des sozialistischen Systems nicht verstehen. Mit diesem Buch hat der Autor erstmals eine Studie dieser innerkubanischen Debatte vorgelegt – und kommt zu erstaunlichen Ergebnissen.

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V. Schlussbemerkungen

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Muss   das   poetische   Resümee   aus   Brechts   „Der   gute  Mensch   von   Sezuan“  (1964:  144)  bei  der  vorliegenden  Arbeit  nicht  zumindest  teilweise  auch  zu-­‐treffen?   Immerhin  sind  die  politischen  und  kulturpolitischen  Prozesse  Ku-­‐bas  seit  Beginn  der  neunziger  Jahre  seither  Gegenstand  internationaler  Be-­‐trachtungen.  Vor  dem  Hintergrund  des  bilateralen  Verhältnisses  haben  sich  vor   allem   US-­‐amerikanische   Forschungszentren   der   Entwicklung   Kubas  gewidmet  –  nicht  ohne  Probleme,  wie  nachfolgend  dargelegt  wird.   Stehen  wir  also  am  Ende  „und  sehn  betroffen;  den  Vorhang  zu  und  alle  Fragen  of-­‐fen“?  Die   vorliegende   Arbeit   widmet   sich,   wie   es   im   Untertitel   heißt,   den  Auswirkungen   der   politischen   Zäsuren   und   wirtschaftspolitischen   Refor-­‐men   auf   die   kulturelle   Produktion   im   Untersuchungszeitraum   1990   bis  2010.  Im  Kern  steht  dabei  stets  auch  die  Frage,   inwieweit  das  gängige  Ku-­‐babild   in   wissenschaftlichen   Diskursen   die   Debatten   und   Prozesse   inner-­‐halb   Kubas   zu   reflektieren   vermag.   Hinzugezogen   werden   zur   Beantwor-­‐tung  dieser  Frage  Quellen  aus  Kuba,  darunter  vielfach  informelle  Literatur.  Hinzu   kommen   Interviews   mit   Kulturfunktionären   und   regierungskriti-­‐schen  Akteuren.  Deutlich  wird  dabei  zunächst  der  entscheidende  Unterschied  Kubas  zu  den  sozialistischen  Regierungen  in  Osteuropa.  Im  politischen  und  kulturel-­‐len  Diskurs  hat  die  antikoloniale  Komponente  von  der  Revolution  1959  an  eine,   wenn   auch   phasenweise   unterschiedlich   akzentuierte   Rolle   gespielt.  Nach  dem  Wegfall  der  Sowjetunion  wurden  diese  Bezugspunkte  –  Protago-­‐nisten  der  kubanischen  Geschichte  und  Kultur,   literarische  Klassiker  etc.  –  zum   Gegenstand   kulturpolitischer   Debatten   zwischen   staatlichen   und  nichtstaatlichen  Akteuren,  wobei  beide  Seiten  um  eine  Neubegründung  der  politischen  und  kulturellen  Basis  des  Nationalstaates  rangen  (und  ringen).  Die   Annäherung...

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