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Personalisierung in TV-Nachrichtensendungen

Eine Zeitreihenuntersuchung der Hauptabendnachrichtensendungen von ARD und RTL von 1983 bis 2005

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Christian Anders

Die Studie beschäftigt sich mit der Frage nach Personalisierungstendenzen in den Hauptnachrichtensendungen privater und öffentlich-rechtlicher Sendeformate am Beispiel von ARD und RTL. Theoretisch sprechen parteipolitische Veränderungen, solche in der Wählerschaft und ein aus der Dualisierung des Rundfunksystems unterstellter Konvergenzprozess beider Sendekonzepte für eine zunehmende Personalisierung. Empirisch lässt sich eine Zunahme an Personalisierung nachweisen. Insbesondere häufen sich Nachrichtensendungen und Nachrichtenbeiträge, in denen die Spitzenkandidaten von CDU und SPD visualisiert werden. In dem Maße, in dem dies geschieht, schwindet ein Kanzlerbonus in der Berichterstattung und eine Bedeutungszunahme eines sogenannten horse-race-journalism wird nachweisbar.

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B. Problemstellung und Untersuchungsgegegenstand

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firSt, a reSearch project Should poSe a queStion that iS iMportant in the real world (King u. a.: 1994: 15). 1.1 Interdisziplinäre Zugänge zu Politischer Personalisierung Im Hinblick auf eine Definition von Kaltefleiter meint Personalisierung, dass die Person eines Spitzenpolitikers von Medien und anderen Instanzen politischer Sozialisation als „Deutungsmuster komplexer politischer Tatbestände angeboten wird“ (1981: 296). Die zunehmende Personalisierung von Politik in den und durch die Medien, die wir heute erleben oder zu erleben meinen, gilt der kritischen Intelligenz seit langem als etwas Prob- lematisches und Illegitimes. Der Adorno-Schüler Horst Holzer beispielsweise brandmarkte 1973 die „Personalisierung gesellschaftlicher Tatbestände in Illustrierten und Fernsehsendun- gen“, besonders aber „die Präsentation der politischen Prominenz in den Medien“ als Ideolo- gie, die „die Grundsätzlichkeit des Klassencharakters einer kapitalistischen Gesellschaft in ein zufälliges, peripheres Merkmal dieser Gesellschaft verwandelt, die deren „eigentliche“ Antriebskräfte – eben die personalities, die angeblich die Geschichte machen – nicht trifft. Damit produziert die journalistische Technik der Personalisierung das, was „gesellschaftlich notwendiger Schein“ genannt wird (Holzer 1973: 159 f.) (Pöttker 1999: 210). Es ist nahe liegend, dass unterschiedliche wissenschaftliche Fachrichtungen die Wirkung des Phänomens politischer Personalisierung unterschiedlich bewerten. Bis in die 1960er Jahre versuchte die Wahlforschung grundsätzliche gesell- schaftliche Konflikte nicht nur als Ursache für die Parteiengenese sondern auch für die Wahlentscheidung der Bevölkerung zu identifizieren. In every democracy conflict among different groups is expressed through political par- ties which basically represent a ,democratic translation of the class struggle‘. Even...

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