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Neue Stimmen aus Österreich

11 Einblicke in die Literatur der Jahrtausendwende

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Edited By Joanna Drynda and Marta Wimmer

Dieser Sammelband ist österreichischen Autorinnen und Autoren gewidmet, die in den letzten zwei Dekaden an die Öffentlichkeit getreten sind. Ein summarischer Überblick über die thematischen und ästhetischen Schwerpunktsetzungen in der jüngsten Literatur bildet den Ausgangspunkt für die Reflexion textvermittelter Befindlichkeiten zu Anfang des 21. Jahrhunderts. In den Einzelanalysen werden aus unterschiedlichen Perspektiven die Werke von Michaela Falkner, Milena Michiko Flašar, Olga Flor, Reinhard Kaiser-Mühlecker, Julya Rabinowich, Angelika Reitzer, Kathrin Röggla, Clemens J. Setz und Vladimir Vertlib beleuchtet. Das Buch ist das Ergebnis eines bilateralen, polnisch-österreichischen Projekts, deshalb wird auch nach der Präsenz junger österreichischer AutorInnen auf dem polnischen Buchmarkt gefragt.

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Evelyne Polt-Heinzl (Wien). Krisenstoff oder Was erzählt die österreichische Literatur über unsere Befindlichkeit im neuen Jahrtausend?

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Krisenstoff oder Was erzählt die österreichische Literatur 11 Evelyne Polt-Heinzl (Wien) Krisenstoff oder Was erzählt die österreichische Literatur über unsere Befindlichkeit im neuen Jahrtausend? Zensurfragen Im April 2007 präsentierte das Zentrum für Kunst und Medientechnologie in Karlsruhe die begehbare Installation CENSEO/GENERO. Der Rezensionsautomat CENSEO wurde mit anschlussfähigen Satzbausteinen aus 30 Bänden von Marcel Reich-Ranickis Frankfurter Anthologie bestückt, die zufallsgenerierten Textkompilationen erhält der Benutzer ausgedruckt auf ein Blatt Papier. Das ist freilich nicht eines „der ältesten analogen Speichermedien überhaupt“3, wie es im Begleitbuch heißt, ganz im Gegenteil, altersmäßig ist Papier in der Geschichte der Schreibkultur nicht vergleichbar mit Stein, Papyrus, Rinde oder Pergament. Aber so genau nimmt das in Wikipedia-Zeiten niemand mehr mit historischen Fakten. Der Gedichteautomat GENERO liefert dann das zugehörige Gedicht – nach dem Motto: „Wo eine Rezension, da ein Gedicht.“4 Die Installation thematisiert die Verfasstheit des Literaturbetriebs, wo irgendwie das Sekundäre das Primäre zu überwuchern droht, aber gleichzeitig kritische Stimmen nicht mehr gefragt sind. CENSEO befreit von der Last der Urteilsfindung und delegiert sie an die Maschine. Doch „unbestechlich“ und „gefeit gegen zeitgebundene Zuweisungen, Modediktate, Geschmacksurteile“5 ist CENSEO keineswegs. Hier sitzt Stephan Krass einem verbreiteten Irrtum auf, den computergestützte Datenverarbeitung von Anfang an hervorrief. Was am Ende auf dem Blatt Papier steht, hängt ab von den eingegebenen Textbausteinen – diese Auswahl aber erfolgt nun einmal immer noch menschengestützt, genauso wie die prinzipielle Entscheidung, welche AutorInnen und welche Art von Literatur in...

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