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Neue Stimmen aus Österreich

11 Einblicke in die Literatur der Jahrtausendwende

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Edited By Joanna Drynda and Marta Wimmer

Dieser Sammelband ist österreichischen Autorinnen und Autoren gewidmet, die in den letzten zwei Dekaden an die Öffentlichkeit getreten sind. Ein summarischer Überblick über die thematischen und ästhetischen Schwerpunktsetzungen in der jüngsten Literatur bildet den Ausgangspunkt für die Reflexion textvermittelter Befindlichkeiten zu Anfang des 21. Jahrhunderts. In den Einzelanalysen werden aus unterschiedlichen Perspektiven die Werke von Michaela Falkner, Milena Michiko Flašar, Olga Flor, Reinhard Kaiser-Mühlecker, Julya Rabinowich, Angelika Reitzer, Kathrin Röggla, Clemens J. Setz und Vladimir Vertlib beleuchtet. Das Buch ist das Ergebnis eines bilateralen, polnisch-österreichischen Projekts, deshalb wird auch nach der Präsenz junger österreichischer AutorInnen auf dem polnischen Buchmarkt gefragt.

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Joanna Drynda (Poznań). „Und wenn du ich bist, wer bin ich?“ Zum Werk von Milena Michiko Flašar

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68 Joanna Drynda Joanna Drynda (Poznań) „Und wenn du ich bist, wer bin ich?“ Zum Werk von Milena Michiko Flašar „Ich bin du und du bist ich.“148 „Über die einfachsten Dinge möchte ich schreiben. Darüber, zum Beispiel, wie wir jetzt hier an diesem Tisch, uns gegenüber, nach zweieinhalb Jahren, einan- der von Dingen erzählen, über die man normalerweise schweigt.“149 Mit diesen Worten formuliert ein schriftstellernder Außenseiter in Milena Michiko Flašars bis dato letztem Roman Ich nannte ihn Krawatte (2012) seinen literarischen An- spruch. Da der Satz einer Künstlerfigur in den Mund gelegt wird, liegt es nahe, ihn auch als das poetologische Credo der Autorin selbst zu interpretieren. Dem- nach würde die Suche nach einem adäquaten sprachlichen Ausdruck sich vor allem auf solche Bereiche beziehen, die eher in Schweigen gehüllt denn ausführ- lich besprochen werden, und – dem Behaupteten zum Trotz – gar nicht so ein- fach sind, wie sie scheinen mögen. Ganz im Gegenteil: Die Texte der jungen, in zwei Kulturen beheimateten Schriftstellerin handeln konstant von ontologischen und epistemologischen Urfragen nach einer tragfähigen Identität, die in diversen Konfigurationen immer wieder neu ausgehandelt wird, seien es Liebesbeziehun- gen, familiäres Umfeld, oder das gesellschaftliche System, in dem man zu funk- tionieren habe. Geradezu richtunggebend klingt bereits der Titel von Flašars Debütband aus dem Jahre 2008. Indem sie das Buch [Ich bin] nennt und die beiden Worte in eckige Klammern setzt, nimmt sie jene qu...

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