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Zum Schwund der lexikalischen Entlehnungen aus dem Deutschen in den Mundarten der polnischen Großstädte im ehemals deutsch-polnischen Grenzgebiet

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Hanna Biadun-Grabarek

Das Ziel der Analyse war die Erforschung des Schwundes der lexikalischen Entlehnungen aus dem Deutschen in den Mundarten der polnischen Großstädte im ehemals deutsch-polnischen Grenzgebiet in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Hierzu wurden die Einwohner der Städte Posen, Bromberg, Thorn und Danzig befragt, die zu der autochthonen Bevölkerung gehören. Die Befragten wurden in drei Altersgruppen eingeteilt: die Generation der Großeltern (im Alter von über 65 Jahren), die Generation der Eltern (im Alter von 35-45 Jahren) sowie die Generation der Enkel bzw. der Kinder (im Alter von 15-20 Jahren). In den Fragebögen mit jeweils 50 stadtspezifischen Lexemen wurde nach der Kenntnis und nach dem Gebrauch dieser Lexeme gefragt. Es ergab sich, dass der Schwund der lexikalischen Entlehnungen aus dem Deutschen das Ergebnis des Untergangs der polnischen Mundarten ist. Mit diesen Mundarten schwand auch die mundartlich gebrauchte Lexik deutscher Herkunft, die die jüngste Generation deshalb bei Weitem nicht so gut beherrscht wie die älteste. Außerdem fehlt der alltägliche Kontakt mit den deutschen Nachbarn.

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4 Zur Geschichte der deutsch-polnischen Sprachkontakte

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Die deutsch-polnischen Sprachkontakte lassen sich nach folgenden Aspekten analysieren: - Richtung der Entlehnung, - Art der Entlehnung, - Rolle der Gebersprache, - Zeit der Entlehnung (sprachliche Epochen), - Sachbereich. Der Umfang des deutschen Lehnwortschatzes im Polnischen ist entschieden größer als der Umfang des polnischen Lehnwortschatzes im Deutschen. Es gibt in der deutschen Standardsprache der Gegenwart nur wenige Lehnwörter aus dem Polnischen (z.B. Grenze, Gurke, Jauche, Quark). Die Regionalismen slawi- scher Herkunft im österreichischen Deutsch (Kren, Powidl) wurden meist aus dem Tschechischen übernommen. In den früheren deutschen Mundarten des Ostens, vor allem aber im Schlesischen gab es eine ganze Menge von polnischen Lehnwörtern, was das Ergebnis der direkten Nachbarschaft war. Mit dem Unter- gang dieser Mundarten ist auch dieser Wortschatz untergegangen. Erwähnt seien z.B. solche Wörter wie Kretscham, Schlonsok, Pieronstwo, Bob (poln. bob), Bo- jka, Dupek, Dup(p)a, Kadubek, Kiszka, Kluski, Seeger (poln. zegar) (vgl. Hoff- mann 1910). Im Polnischen gibt es sowohl deutsche Lehnwörter (lexikalische Entlehnun- gen) als auch Lehnprägungen (inhaltliche Entlehnungen). Im Gegensatz zu den lexikalischen Entlehnungen sind die inhaltlichen bisher kaum untersucht wor- den. Zu den Lehnprägungen gehören meist die Lehnübersetzungen swiatopogląd (Weltanschauung), ogniomistrz (Feuermeister), drapacz chmur (Wolkenkratzer), ogniotrwały (feuerfest), czasopismo (Zeitschrift), miedzioryt (Kupferstich), kolej żelazna (Eisenbahn), Das Wort kolej ist eine Kurzform von kolej żelazna, konnte aber unter dem Einfluss der deutschen Bahn entstanden sein. Die Lehnübertragungen und Lehnschöpfungen waren seltener, vgl.: miedziennik ← kupfersmit złotnik ← goltsmit białoskórnik ← weisgerber...

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