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Jüdische Erinnerungsdiskurse in der frankophonen Migrationsliteratur Quebecs

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Yvonne Völkl

Die Studie erforscht die narrativen Verfahren zur Darstellung der Inhalte und Funktionsweisen von Erinnerung und Gedächtnis in den Werken jüdischer
Migrationsautoren innerhalb der Quebecer écritures migrantes. Das Textkorpus umfasst Romane von bereits kanonisierten Schriftstellern – Monique Bosco, Naïm Kattan, Régine Robin – sowie von weniger bekannten Autoren – Pierre Lasry, Victor Teboul, Marc-Alain Wolf. Auf der Grundlage von kultur- und
literaturwissenschaftlichen Gedächtniskonzepten wird dargelegt, welche Gedächtnisinhalte wiederholt zur Sprache kommen, wann Erinnerungsprozesse zum Vorschein treten und wie diese mit rezeptionsästhetischen Mitteln umgesetzt werden. Überdies wird auf die Rolle der franko-jüdischen Migrationsliteratur innerhalb der Quebecer Erinnerungskulturen eingegangen.

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7 Erinnerung im Alter

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Das Alter als eine Lebensphase ist ein Konstrukt der Moderne, das im Zuge der Entstehung von modernen Gesellschaften auftaucht, als erstmals das „[…] chro- nologische Alter zu den zentralen Strukturprinzipien […]“ (Schweppe 2006: 342) herangezogen wird. Der Beginn dieses Lebensabschnittes wird im Pensi- ons- bzw. Rentensystem festgehalten, wonach eine Person, ab einem gewissen Alter von der Erwerbspflicht befreit wird und in den gesetzlich geregelten Ruhe- stand eintritt, der in westlichen Ländern meist zwischen dem 60. und 67. Lebensjahr festgelegt ist.188 Mit voranschreitendem Alter kommt es zu einer un- umstößlichen körperlichen Veränderung, die nicht mehr rückgängig gemacht werden kann: dem Verfall. Simone de Beauvoir notiert in ihrem Werk über das Alter (La vieillesse, 1970) diesbezüglich: Solange die Mangelerscheinungen sporadisch bleiben und leicht behoben werden können, spricht man nicht von Altern. Erst wenn sie Bedeutung erlangen und irrepa- rabel sind, wird der Körper gebrechlich und mehr oder weniger hinfällig: dann kann man eindeutig sagen, daß er verfällt. (Beauvoir 1982: 13) In der Tat wird in der westlichen Kultur seit jeher dazu übergegangen, das Al- tern mit körperlicher Verschlechterung in Verbindung zu bringen. Es wird zwi- schen dem chronologischen Alter (Anzahl der Jahre), dem biologischen Alter (Kraft, Gesundheit, Beweglichkeit), dem sozialen Alter (ein kulturelles Kon- strukt) sowie dem individuellen Alter (Selbstbild) unterschieden. Diese müssen jedoch auf keinen Fall parallel laufen, da sich jeder Körper anders entwickelt und jeder Mensch anders auf seinen Leib und seine Gesundheit achtet (cf. Mun- son Deats...

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