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Zauberschwert und Teufelsmesser

Zur Kulturgeschichte von Messern und Klingen in der populären Erzähltradition

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Heinz Huther

Schneidende und stechende Werkzeuge, vom Messer bis zur Schere, Beil und Axt, und Hieb- und Stichwaffen wie Schwert, Säbel und Dolch sind in populären Volkserzählungen, insbesondere in Sage, Märchen und Schwank, unentbehrlich und als Reflex der in ihnen gespiegelten Lebenswirklichkeit fast allgegenwärtig. Die Texte und die ihnen gewidmete Forschung behandeln sie auffällig beiläufig, fast geringschätzig. Die zutreffende Bewertung ihrer Rolle setzt eine umfassende Bestandsaufnahme und den Vergleich ihrer Erscheinungsformen voraus. Die hiermit vorgelegte Bestandsaufnahme berücksichtigt ausgehend von den Märchen und Sagen des Altertums, des Mittelalters und der Neuzeit auch das europäische und das deutsche Kunstmärchen. Über 140 ausgewertete Sammelwerke dürften einen repräsentativen Überblick ermöglicht haben. Populäre Erzählungen fast aller Zeiten und Völker, insbesondere aber Märchen, schildern Zerstückelungen von Menschen und Tieren, vor allem Enthauptungen, was zu intensiven Diskussionen über die Zuträglichkeit solcher Themen nicht nur für Kinder führt. Die bisherigen Deutungen des Phänomens werden gesichtet, ergänzt und erweitert. Als wesentliche Funktionen schneidender und stechender Geräte kommen die des schlichten Werkzeuges in Betracht, die des Verbrechenswerkzeuges, aber auch – nicht selten als Teil einer magischen Dreiheit – die als Träger dieser Magie, als Brücke in das Reich des Jenseitigen und nicht zuletzt als Manifestation des Unbewussten. Linien in die Gegenwart volkstümlicher Literatur schließen die Gesamtschau ab.

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Italienische Anfänge

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Die Anfänge des europäischen Kunstmärchens finden sich in Italien, „das ihm durch die Erzählkultur der Novelle dem Weg gebahnt hat.“52 Den Schöpfern der italienischen Sprache Alighieri Dante (1265 - 1321) und Francesco Petrarca (1304 - 1374) wird meist auch Giovanni Boccaccio (1313 - 1375) zugerechnet, der sein berühmtes „Dekameron“ unter Dantes Einfluß in der Zeit von 1348 bis 1353 niederschrieb. Angesichts der Pest und ihrer Folgen als einer der großen Erschütterungen des Spätmittelalters reift er wie Petrarca zum „Humanisten“ und damit vom Nachahmer zum gelehrten Kenner der Antike. Im Dekameron werden innerhalb einer Rahmenhandlung - Florentiner Adlige fliehen vor der Pest auf ein Landgut - einhundert ernste und heitere „Novellen“ erzählt. Trotz der Drastik teils „deftiger“ Geschichten geht es Boccaccio aber um die Kunst des rechten Lebens. Grundmotiv der Novellen sind die menschlichen Leidenschaften und darunter vor allem die Liebe. Manche der Erzählungen ver­ wenden märchenhafte Motive, etwa die Grausamkeit, mit der der Markgraf von Saluzzo die ihm angetraute Griselda prüft (D, 10. Geschichte des 10. Tages S. 830 -851). Drastik kennzeichnet die siebte Geschichte des zweiten Tages („Alatiel“, D S. 139 - 161): Die wunderschöne Tochter Alatiel eines Sultans Benminedab von Babylon gerät in einem Zeitraum von vier Jahren durch Zufall nacheinander in die Gewalt von neun Männern, bevor sie wieder zum Vater zurückkommt. Die wechselnden Liebhaber räumen jeweils ohne Federlesen ihre Vorgänger aus dem Weg, zwei von ihnen...

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