Show Less

Möblierte Vergangenheit, gelebte Gegenwart oder gewohnte Zukunft?

Die Bedeutung und Nutzung der Dinge des Wohnbereichs und ihr Stellenwert im individualbiographischen Lebensverlauf

Series:

Marie-Helene Wichmann

Ist die Wohnung Zeitzeuge unserer Vergangenheit, Spiegel unserer Gegenwart oder Ausdruck unserer Ziele und Wünsche? In welchen zeithistorischen Kontext stellen Wohnende die Gestaltung ihres Lebensumfeldes? Dieser neuen, bisher vernachlässigten Perspektive wird hier in einer empirischen Untersuchung zum Wohnen interdisziplinär nachgegangen. Dabei wird das Wohnen als Gesamtphänomen gesehen und ein wegweisender Beitrag zur Wohnforschung geboten, der auch ein innovatives Untersuchungsmodell vorschlägt. Detailreich und interessant wird das Faszinosum Wohnen nicht nur über die Einrichtung, sondern auch anhand der Raumnutzung betrachtet: Hierbei spielen Aneignungsgeschichte, kulturelle, gesellschaftliche und individuelle Zeitbezüge ebenso wie das Moment der Inszenierung eine zentrale Rolle.

Prices

Show Summary Details
Restricted access

Einleitung

Extract

„Als der Mensch aufhörte, mit den wilden Tieren die Lebensformen des Umherzie- hens von Futterquelle zu Futterquelle zu teilen und sich durch »Stehenbleiben« aus dem ewigen Kreislauf der Natur herausbewegte, schuf er jene Elementarformen der Behausungen, denen als Dach und Wand über ihren funktionalen Wert des Schutzes vor der Außenwelt (Klima, Tiere, Menschen) hinaus ein Symbolwert anhaftet.“ (Funke 2006: 34) Dieser „Schöpfungsmythos des Wohnens“ vom Psychoanalytiker Dieter Funke illustriert den menschheitsgeschichtlich bedeutenden Schritt vom Leben in der Natur zum Leben in der Kultur: zum Wohnen. Die Kultivierung des Lebensrau- mes, wie etymologisch im Begriff der Kultur 11 angelegt, ist dabei orientiert am Rhythmus der Natur. Mit dem Sesshaftwerden wurde deshalb nicht nur die sym- bolische Welt des Menschen entscheidend erweitert, sondern auch ein komple- xeres Maß an Planung notwendig und damit das Herstellen von Beziehungen zwischen Geschehensabläufen. Diese werden nach dem Soziologen Norbert Elias (1994: 41) als Zeit symbolisiert, deren Systematisierung natürlichen Ab- läufen wie Jahreszeiten und Mondphasen folgt. So rückte neben den kulturell produzierten, lebenszyklischen Konstanten Vergangenheit und Gegenwart auch die Zukunft als ordnende Zeitinstanz in das Blickfeld des Menschen, wobei die Vergangenheit als Referenz dient und die Zukunft als Erwartungs- und Pla- nungshorizont menschlichen Handelns. Ziel dieses Buches ist es, den Zusammenhang zwischen dem individuellen Wohnen der Gegenwart, dessen Bezügen in die Vergangenheit und den im Wohnen enthaltenen optionalen Zukunftsversionen und -erwartungen einer nä- heren Betrachtung zu unterziehen: Ist die Wohnung Zeitzeuge unserer Vergan- genheit, Spiegel unserer Gegenwart oder...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.