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Möblierte Vergangenheit, gelebte Gegenwart oder gewohnte Zukunft?

Die Bedeutung und Nutzung der Dinge des Wohnbereichs und ihr Stellenwert im individualbiographischen Lebensverlauf

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Marie-Helene Wichmann

Ist die Wohnung Zeitzeuge unserer Vergangenheit, Spiegel unserer Gegenwart oder Ausdruck unserer Ziele und Wünsche? In welchen zeithistorischen Kontext stellen Wohnende die Gestaltung ihres Lebensumfeldes? Dieser neuen, bisher vernachlässigten Perspektive wird hier in einer empirischen Untersuchung zum Wohnen interdisziplinär nachgegangen. Dabei wird das Wohnen als Gesamtphänomen gesehen und ein wegweisender Beitrag zur Wohnforschung geboten, der auch ein innovatives Untersuchungsmodell vorschlägt. Detailreich und interessant wird das Faszinosum Wohnen nicht nur über die Einrichtung, sondern auch anhand der Raumnutzung betrachtet: Hierbei spielen Aneignungsgeschichte, kulturelle, gesellschaftliche und individuelle Zeitbezüge ebenso wie das Moment der Inszenierung eine zentrale Rolle.

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Die Zeit im Wohnen

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Zeit ist nach der Brockhaus-Definition „das im menschlichen Bewusstsein ver- schieden erlebte Vergehen von Gegenwart zu Vergangenheit sowie von erwarte- ter Zukunft zu Gegenwart“ (dtv-Lexikon 1990). Ulfig referiert auf Heideggers „Sein und Zeit“, wenn er die Zeitlichkeit als „das Ineinandergreifen von Ver- gangenheit, Gegenwart und Zukunft“ (Ulfig 1999: 490) bestimmt, „wobei sich das Dasein immer schon nach seinen Möglichkeiten von der Zukunft her ent- wirft“ (ebd.). Nach Norbert Elias wird Zeit als Bezugssystem für den kontinuier- lichen Ereignisfluss betrachtet: „Wenn alles stillstände, könnte man nicht von »Zeit« sprechen.“ (Elias 1994: 40) In diesem Ereignisfluss werden Punkte fest- gelegt, „die relative Anfänge und relative Enden innerhalb des Flusses anzei- gen“ (ders.: 41). Zunächst wurde diese Ereignisabfolge an wiederkehrenden Naturereignissen und deren Abläufen festgemacht, die aber mehr und mehr er- setzt wurden durch „menschengeschaffene mechanische Sequenzen“, in denen sowohl biologische als auch soziale und persönliche Prozesse verortet werden und damit in einen linearen Bezugsrahmen, nämlich die Zeit, eingeordnet wer- den können (Elias 1994: 41; 43). Auf den Faktor Zeit trifft man im Wohnen an verschiedenen Stellen: So ist das Wohnen generell als kulturhistorisch gewachsene und ausgeformte Konstan- te zu verstehen, die Teil des Bedürfnishaushalts ist und deren innenar- chitektonischen Szenen und kulturellen Werte, Proportionen, Maßstäbe und Strukturen, die heute gelten, auf die Bedeutungssysteme der bürgerlichen Ge- sellschaft zurückgehen (siehe Kap „Was ist Wohnen?“). Jedoch war das Einrich- ten und Möblieren sowohl stilistisch als auch möbelkanonisch...

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