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Raum-Kompositionen

Verortung, Raum und lyrische Welt in den Gedichten Marina Cvetaevas

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Anja Burghardt

In Marina Cvetaevas Dichtung kommt Orten und Räumen eine besondere Bedeutung zu, die für verschiedene Schaffensphasen untersucht wird. In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage nach der Relevanz der Kategorie des Raumes für die Literatur und die Literaturwissenschaft. Die Gegenständlichkeit und Konkretheit der sprachlichen Bilder, die die poetische Raumgestaltung in den lyrischen Welten Cvetaevas tragen, erweisen sich als eine Ursache für das ins Extrem gesteigerte Bedeutungspotential von ihren Gedichten.

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Erster Teil: ZUR POETIK MARINA CVETAEVAS

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I. Die Grenzen des Literarischen Говоря об обновлении как стержение лирики, я не говорю об обновлении своих или чужих снов и образов, а лишь а возвращении лирических волн при неизменной лирической сущности. Wenn ich über Erneuerung als Kern der Lyrik spreche, dann spreche ich nicht über die Erneuerung von eigenen oder fremden Träumen und Bildern, sondern einfach von der Wiederkehr lyrischer Wellen bei der immergleichen lyrischen Substanz. (Marina Cvetaeva: Poėty s istoriej i poėty bez istorij) Cvetaevas Werk speist sich vielfach aus Biographischem. Ihr Schreiben ver- wischt die Grenzen nicht nur zwischen verschiedenen Genres der Literatur,1 sondern auch zwischen literarischem (,,rein“ fiktionalem) Schreiben und alltäglichem (gewissermaßen faktualem) Schreiben, als das die Formen Brief und Tagebuch gelten. Die Frage nach dem Verhältnis von Leben und Werk bzw. nach biographischen Elementen im Werk und einem literaturwissen- schaftlichen Umgang damit stellt sich für Cvetaeva insofern, als nach wie vor ein Gutteil der Literatur über sie von einem innerhalb der modernen Litera- turwissenschaft doch eher ungewöhnlichen Biographismus geprägt ist. Dieser zeichnet sich zudem dadurch aus, dass er in weiten Teilen die Selbstbilder und Selbstmythisierungen Cvetaevas fraglos übernimmt. Eine Diskussion des Kunstwerks tritt oft genug hinter der Suche nach biographischen Elementen zurück; das scheinbare Verständnis des Gedichtes beruht darauf, die Realia der Lebensumstände der Autorin aufzuzeigen.2 Die Kenntnis der Biographie 1 Iosif Brodskij (1979) weist darauf hin; Karin Grelz (2004) zeichnet es für die autobio- graphische Prosa nach. Das Genre der ,,poėma-skazka“, des Versmärchens, namentlich Car’-Devica (1922), Pereuločki (1923) und Mólodec (1925), zeigt das schon in der Bezeichnung. Bei Kelly (1998b) klingt das Überschreiten...

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