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Von Tätern und Opfern

Zur medialen Darstellung politisch und ethnisch motivierter Gewalt im 20./21. Jahrhundert

Claudia Nickel and Silke Segler-Meßner

Im Zentrum dieses interdisziplinären Bandes steht die mediale Repräsentation von Täter- und Opfergemeinschaften. Die Auseinandersetzung mit den Folgen der Zerstörung menschlicher Gemeinschaft durch politisch und ethnisch motivierte Gewalt basiert dabei auf zwei Prämissen: Zum einen lassen sich in den unterschiedlichen Medien wiederkehrende Formen der Verletzung des Anderen und Darstellungsmuster erkennen, zum anderen befinden sich die medialen Inszenierungen des Täter-Opfer-Verhältnisses in einem Wechselverhältnis zu den nationalen und internationalen Reaktionen auf die evozierten Ereignisse. Auf innovative Weise greifen die Beiträge Impulse aus dem Bereich historischer Täterforschung in einer literatur- und medienwissenschaftlichen Betrachtungsweise auf. Die romanischen Kulturen bilden hier einen Schwerpunkt der Analysen.

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I. Grundlegende Überlegungen zur Narration von Täter- und Opferschaft

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Grauzonen Silke Segler-Meßner 1. Erkennen Im Mai 2004 gelangt eine Serie von Photographien in die Medien, die Folter- szenen irakischer Gefangener durch Angehörige des US-Militärs in Abu Ghraib zeigen und weltweit Entsetzen und Empörung auslösen. Zu den Bildern, die als besonders obszön empfunden werden, gehört die Aufnahme einer Frau, die einen nackten, am Boden liegenden Gefangenen an einer Leine hält. Lynndie England, die Soldatin auf der Photographie, wurde ein Jahr später zu drei Jahren Haft verurteilt und zeigte weder beim Prozess noch nach ihrer vorzeitigen Haft- entlassung Reue. Im Gegenteil, ihr fehlendes Unrechtsbewusstsein kommt deut- lich in einem Interview mit dem Daily Mail zum Ausdruck, in dem sie die Ab- surdität einer Entschuldigung damit begründet, dass es sich bei dem auf dem Boden liegenden Menschen um einen „Feind“ handelt, der im Zusammenhang mit dem amerikanischen Kampf gegen den Terror in Folge des 11. September zu bekämpfen sei. Das allgemeine Entsetzen angesichts des unmenschlichen Umgangs der Sieger mit den Besiegten, der auch weibliche Militärs erfasste und ihre Lust an der Folter offen zur Schau stellen ließ, währte nicht lang und wurde rasch von weiteren Skandalaufnahmen überdeckt, ja überboten, die im Zeitalter der Medialisierung aller Lebensbereiche nicht nur im Fernsehen und im Netz, sondern auch auf Handys zu betrachten sind und das an fast jedem möglichen und unmöglichen Ort der Welt. Trotz der medialen Omnipräsenz der Folter- bilder blieb eine Auseinandersetzung mit dem Gezeigten aus,...

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