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«Ernst ist das Leben, heiter die Kunst.»

Das Humor-Konzept im Dramenwerk Frank Wedekinds

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Joanna Firaza

Vor dem Hintergrund der Geschichte des Humor-Begriffs versucht die Arbeit diese für Frank Wedekind grundsätzliche ästhetische Kategorie zu verorten. Aus der oft verfehlten Rezeption und dem eigenen Anspruch des Dramatikers resultiert eine frappante Spannung. Neue Akzente im Hinblick auf die Verwendung des Terminus manifestieren sich vordergründig im Formalen. Im Rückgriff auf die Mittel des Performativen gibt sich der Humor als eine komplexe ästhetische Antwort Wedekinds auf den Zustand der Kultur und die Kondition des Individuums. In der Ordnung der Kunst nimmt der Dramatiker somit eine vitalisierende Korrektur des mit dem Label Humorlosigkeit belegten Geistes des Wilhelminismus und seiner Literaturen vor.

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III. Wedekinds Symposion: Das Gastmahl bei Sokrates

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Das juvenile, im September 1882 in Aarau niedergeschriebene Stück Wedekinds Das Gastmahl bei Sokrates. Ein Schauspiel für die gebildete Welt, aus dem Griechischen übersetzt528 war als schwankhafte Komödie gedacht. Es fehlen Dokumente, die eine Aufführung belegen bzw. widerlegen könnten.529 Nicht desto trotz markiert dieses kleine Drama Wedekinds Interesse für klassische Kultur und initiiert eine Tendenz in seinem Werk, der er sich in der letzten Schaffensphase mit den Dramen Herakles und Simson wieder verstärkt zuwen- det. Der antike Stoff eröffnet und schließt also Wedekinds Oeuvre: Das Alter- tum blieb ein für sein Werk wesentlicher und ergiebiger Fundus, worauf bereits die zeitgenössische Kritik aufmerksam macht, indem sie auf die Modernisierung antiker Mythen530 oder „innerlich antike Behandlung des neuzeitlichen Stof- fes”531 hinweist. Die Kenntnis antiker Literatur und Philosophie wurde Wede- kind im humanistischen Gymnasium in Aarau vermittelt. Ohne das Drama über- schätzen zu wollen, gilt es festzuhalten, dass es hier ein Denkparadigma ange- legt ist, das Wedekind in weiteren Texten entwickeln wird. Besonders im Hin- blick auf seine humoristische Ästhetik ist dieses Drama nicht zu umgehen, auch wenn es am ehesten als ein gekonntes Spiel mit klassischen Formen und Inhal- ten zu beschreiben ist. Wie der Titel signalisiert, knüpft das Drama an die antike Tradition der Symposien an, die die Grundlage der damaligen Geselligkeit bil- deten532 und vielfach literarisiert wurden. Das Genre begründete bekanntlich Platon mit seinem Gastmahl oder Sympósion. Über die Liebe und Sokrates, ein Ideendialog;...

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