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«Ernst ist das Leben, heiter die Kunst.»

Das Humor-Konzept im Dramenwerk Frank Wedekinds

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Joanna Firaza

Vor dem Hintergrund der Geschichte des Humor-Begriffs versucht die Arbeit diese für Frank Wedekind grundsätzliche ästhetische Kategorie zu verorten. Aus der oft verfehlten Rezeption und dem eigenen Anspruch des Dramatikers resultiert eine frappante Spannung. Neue Akzente im Hinblick auf die Verwendung des Terminus manifestieren sich vordergründig im Formalen. Im Rückgriff auf die Mittel des Performativen gibt sich der Humor als eine komplexe ästhetische Antwort Wedekinds auf den Zustand der Kultur und die Kondition des Individuums. In der Ordnung der Kunst nimmt der Dramatiker somit eine vitalisierende Korrektur des mit dem Label Humorlosigkeit belegten Geistes des Wilhelminismus und seiner Literaturen vor.

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IX. Schlusswort: Wedekinds neuer Humor?

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In dem 1902 publizierten Aufsatz Der neue Humor von Arthur Moeller-Bruck fällt unter den repräsentativen Namen wie Otto Julius Bierbaum, Josef Ruederer, Thomas Theodor Heine, Bruno Pauls und Paul Scherbart auch der Name Frank Wedekinds.1435 Moeller-Bruck verkündet nichts weniger als einen Paradigmen- wechsel: er verwirft idealistische Humor-Definitionen, welche den Humor aus sich heraus zu erklären suchen, wie bei Kant oder Vischer, als unfruchtbar1436 und setzt an ihrer Stelle, in Absetzung von der überstrapazierten Formel tragi- komisch, das Gesetz der Gegensätzlichkeit, das zugleich das Gesetz des Aus- gleichs sei und als solches dem Humor zugrunde liege. Die tragikomische Wir- kung beschreibt er als Notbrücke und Sackgasse, denn es gebe keine reinen Tra- giker, ebenso wenig wie es reine Humoristen gibt. Der Unterschied ist alleine der, dass das Moment des Gegensätzlichen bei den Tragikern versteckt, bei den Humoristen dagegen um so offenbarer ist. Bis auf Otto Erich Hartleben sei das Komische „bei den Humoristen unserer Zeit die andere Äußerung des Tragi- schen“, wenn auch nur als Unterton erkennbar, in dem sich der Lebensernst ab- zeichne. Dieser sei oft ein „sich selbst aufgebender Lebensernst“, der dem Wi- derspruch zwischen Wunsch und Wirklichkeit entspringe. Es seien bittere Hu- moristen, die man heutzutage auf der literarischen Bühne erlebe, deren entschei- dender Wesenszug Leiden und Verwüstung sei, wo die Verneinung des Seins einzig und allein durch Ironie wieder zu einer Bejahung gebracht werde.1437 Die Quelle für Moeller-Brucks Bestimmung des neuen Humors, wenn er vom Ge-...

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