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Reformation und Humanismus

Philipp Melanchthon und Johannes Calvin

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Wilhelm Schwendemann

Warum soll man sich mit Philipp Melanchthon und Johannes Calvin außerhalb von jährlichen Erinnerungsfeiern beschäftigen? Beide Theologen waren umfassend humanistisch gebildet und sind über den Weg der Sprache auf biblische Texte gestoßen und haben so die Reformationen in Wittenberg und in Genf wesentlich befördert. Ohne den Hintergrund humanistisch-philologischer Ausbildung wären sie theologisch nicht kompetent gewesen und hätten die Tiefenstruktur der biblischen Texte nicht aufnehmen können. Die politischen und sozialen Herausforderungen waren für beide Reformatoren sehr verschieden, wobei jedoch der humanistische Bildungsgrund so etwas wie eine Sensibilisierung für Vielfalt entstehen ließ. Die theologisch-reformatorischen Modelle sind insofern bedenkenswert und faszinierend, weil sie auf die Grundfragen christlicher Existenz, Bildung und Erziehung, christlicher Praxis und Ethik antworten.

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Einleitung

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Warum soll man sich mit der Reformation und ihren humanistischen Varianten (Philipp Melanchthon und Johannes Calvin) außerhalb von jährlichen Erinne- rungs- und Jubelfeiern beschäftigen? Beide Theologen waren umfassend huma- nistisch gebildet und sind über den Weg der Sprache auf biblische Texte gestoßen. Ohne den Hintergrund humanistisch-philologischer Ausbildung wären sie theo- logisch nicht sprachfähig geworden und hätten die Tiefenstruktur der biblischen Texte nicht aufnehmen können: Der Philologe Melanchthon blieb der artistischen Fakultät der Universität Wittenberg ein Leben lang treu und der Jurist Calvin legte fast täglich in seiner zweiten Genfer Zeit in der Kathedrale St. Pierre Bibel- texte aus. Melanchthon rezipierte die antike lateinische und griechische Literatur und Philosophie und hat die Nikomachische Ethik des Aristoteles oft genug kom- mentiert. Calvin hat intensiv Platon und die christlichen Kirchenväter studiert und versucht, paulinisches und platonisches Denken für die Reformation in Genf fruchtbar zu machen. Die politischen und sozialen Herausforderungen – sowohl in Wittenberg als auch in Genf – waren für beide sehr verschieden, wobei jedoch der humanistische Bildungsgrund so etwas wie eine Kompetenz für Vielfalt und Heterogenität entstehen ließ, auch wenn die Antworten, die gegeben wurden (Cal- vin versus Castellio) heutzutage in einem guten Wortsinn frag-würdig sind. Die Antworten, die beide Reformatoren in verschiedenen sozialen und politischen Kontexten gegeben haben (Ekklesiologie, Christologie, Soteriologie, Eschatolo- gie und Pneumatologie) sind insofern für mich bedenkenswert und faszinierend gewesen, weil sie auf die Grundfragen christlicher Existenz (Wer bin ich? Woher...

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