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Reformation und Humanismus

Philipp Melanchthon und Johannes Calvin

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Wilhelm Schwendemann

Warum soll man sich mit Philipp Melanchthon und Johannes Calvin außerhalb von jährlichen Erinnerungsfeiern beschäftigen? Beide Theologen waren umfassend humanistisch gebildet und sind über den Weg der Sprache auf biblische Texte gestoßen und haben so die Reformationen in Wittenberg und in Genf wesentlich befördert. Ohne den Hintergrund humanistisch-philologischer Ausbildung wären sie theologisch nicht kompetent gewesen und hätten die Tiefenstruktur der biblischen Texte nicht aufnehmen können. Die politischen und sozialen Herausforderungen waren für beide Reformatoren sehr verschieden, wobei jedoch der humanistische Bildungsgrund so etwas wie eine Sensibilisierung für Vielfalt entstehen ließ. Die theologisch-reformatorischen Modelle sind insofern bedenkenswert und faszinierend, weil sie auf die Grundfragen christlicher Existenz, Bildung und Erziehung, christlicher Praxis und Ethik antworten.

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Johannes Calvin –Minister Verbi Divini –Reformator wider Willen

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Johannes Calvin – Minister Verbi Divini – Reformator wider Willen Einleitung Am 10. Juli 2009 jährte sich zum 500. Mal der Geburtstag Johannes Calvins. Der Genfer Reformator gilt als ein „Gründungsvater“ des reformierten Protestantis- mus. Calvin hat sich dagegen gewehrt, dass die durch ihn geprägte Reformation in Deutschland als „Calvinismus“ bezeichnet wurde. Die auf Zwingli, Bullinger und Calvin zurückgehenden Kirchen in Europa nennen sich deshalb nicht „cal- vinistisch“, sondern „reformiert“. Diese Selbstbezeichnung erinnert daran, dass eine reformatorische Kirche im Hören auf Gottes Wort der fortwährenden Er- neuerung bedarf: Ecclesia reformata semper reformanda.1 Kaum einer der Reformatoren der zweiten Generation hat so stark polarisiert wie Johannes Calvin; sein Werk rief begeisterte Zustimmung auf der anderen Sei- te krasse Ablehnung oder undifferenzierte Polemik hervor. Die Ablehnungsfront ruft in Erinnerung: Prozesse gegen Hexen, Servet, die Auseinandersetzungen mit Castellio und anderen, Lust- und Lachfeindlichkeit, doppelte Prädestination, as- ketische Rationalität und Spiritualität und so weiter – aber es gibt eben auch den sorgenden Familienvater, dessen Ehefrau und Kind sterben, den Theologen und Reformator, dessen Wirkung auf die Niederlande, Ungarn, Schweiz, Schottland, und andere Länder unvergleichlich ist und den Diplomaten im Zeitalter der reli- giös-kriegerischen Auseinandersetzungen. Einige Kostproben aus der Gerüchteküche über Calvin: „Calvin habe Genf wie ein Tyrann regiert und eine Art Gottesstaat errichtet. Calvin habe den Kapitalis- mus erfunden und sei für dessen Auswüchse verantwortlich.“2 1 So der Einleitungstext der EKD Homepage zum Calvinjahr: http://www.ekd.de/calvin/ [Zugriff am 02.12.2008; 11:29...

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