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Reformation und Humanismus

Philipp Melanchthon und Johannes Calvin

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Wilhelm Schwendemann

Warum soll man sich mit Philipp Melanchthon und Johannes Calvin außerhalb von jährlichen Erinnerungsfeiern beschäftigen? Beide Theologen waren umfassend humanistisch gebildet und sind über den Weg der Sprache auf biblische Texte gestoßen und haben so die Reformationen in Wittenberg und in Genf wesentlich befördert. Ohne den Hintergrund humanistisch-philologischer Ausbildung wären sie theologisch nicht kompetent gewesen und hätten die Tiefenstruktur der biblischen Texte nicht aufnehmen können. Die politischen und sozialen Herausforderungen waren für beide Reformatoren sehr verschieden, wobei jedoch der humanistische Bildungsgrund so etwas wie eine Sensibilisierung für Vielfalt entstehen ließ. Die theologisch-reformatorischen Modelle sind insofern bedenkenswert und faszinierend, weil sie auf die Grundfragen christlicher Existenz, Bildung und Erziehung, christlicher Praxis und Ethik antworten.

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Die Wachsamkeit der Seele.Erklärung, dass die Heiligen, die im Glauben sterben,bei Christus leben und dass sie in Bezug auf ihre Seelen nicht schlafen. Kommentar zu Calvins theologischem Erstlingswerk und Übersetzung der Psychopannychia

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Die Wachsamkeit der Seele. Erklärung, dass die Heiligen, die im Glauben sterben, bei Christus leben und dass sie in Bezug auf ihre Seelen nicht schlafen. Kommentar zu Calvins theologischem Erstlingswerk und Übersetzung der Psychopannychia Der Leib-Seele-Dualismus Einleitung Der Leib-Seele-Dualismus ist ein Strukturmerkmal der Psychopannychia (auch „Nachtwache der Seele“, „Seelenschlaf“, „Seelenallnacht“), wie das erste theolo- gische Werk Calvins in Kurzform bezeichnet wird. In Calvins erster theologischer Schrift ist der platonische Leib-Seele-Dualismus das grundlegende Argumenta- tionsmuster und wird von Calvin verwendet, um den Glauben, dass die Toten bis zur Auferstehung schliefen, zu widerlegen.1 Auffällig ist zudem, dass diese Schrift in der theologischen Auseinandersetzung um die Funktion des Dualismus bisher m.E. zu wenig beachtet wurde.2 Das Evangelische Kirchenlexikon erwähnt in den beiden Artikeln die Psychopannychia in diesem Zusammenhang überhaupt nicht. Wenige Zeilen nur widmen Neuser und Wendel in ihren Calvin-Biografien dem Problem und der Schrift. Es scheint so, als habe das kleine theologische Erst- lingswerk bisher keine Rolle gespielt, obwohl es eine Fülle von Strukturmerk- malen des platonischen Leib-Seele-Dualismus zur Verfügung stellt und wohl Cal- 1 Zur Psychopannychia siehe folgende Literatur: Opitz 2009, S. 31; Tavard 2000; Schwendemann 1996; Hwang 1991; Zimmerli & Calvin 1932; Faust 1663 und auch den Literaturbericht im Archiv für Reformationsgeschichte / American Society for Reformation Research (2007). Luther umschreibt den Tod metaphorisch als Geborgensein in Christus (vgl. Kemper, Konfessionalis- mus, 1987, S. 326). 2 Vgl. z.B. Heron, A.J.C., Art. Calvinismus / Neuser, W., Art. Calvins Theologie, in: EKL I, aaO., Sp. 615−630....

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