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Schriften zur Rechtsphilosophie, zum Strafrecht und zum Medizin- und Biorecht

Herausgegeben von Hans Lilie und Henning Rosenau

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Hans Lilie and Henning Rosenau

Die Publikationen von Hans-Ludwig Schreiber sind überaus vielfältig. Sie befassen sich mit den Grundfragen in Rechtstheorie und Rechtsphilosophie und reichen von dogmatischen Arbeiten zum Straf- und Strafprozessrecht bis hin zu hochaktuellen Themen des modernen Biorechts. Er hat mit seinem breit angelegten Œuvre Wissenschaft, Rechtsprechung und Medizin nicht nur theoretisch bereichert, sondern stets auch praxisnah beeinflusst. Mit Fug und Recht kann man ihn als Vater des modernen, interdisziplinären Medizinrechts bezeichnen. Da viele der grundlegenden Arbeiten an heute schwer zugänglichen Orten veröffentlicht wurden, bleiben seine Schriften in einer Auswahl – das Schriftenverzeichnis enthält über 300 Einträge – mit diesem Band der Fachwelt dauerhaft zugänglich.

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III. Strafprozess

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Verfahrensrecht und Verfahrenswirklichkeit* in: Zeitschrift für die gesamte Strafrechtswissenschaft, Bd. 88 (1976), S. 117 – 161 I. Im Thema meines Referates „Verfahrensrecht und Verfahrenswirklichkeit“ stehen Recht und Wirklichkeit nebeneinander. Damit soll weder ein unüberbrückbarer Gegensatz zwischen beiden behauptet, noch die juristisch-normative oder eine er- fahrungswissenschaftliche Betrachtung des Strafverfahrens als allein mögliche und legitime postuliert werden. Der Strafprozeß ist vielmehr ein von rechtlichen Regeln bestimmter tatsächlicher Vorgang, in Anlehnung an Luhmann1 formuliert, ein wirk- liches Geschehen und nicht nur eine normative Sinnbeziehung. Man würde das Strafverfahren unzureichend erfassen, wenn man es allein in Rechtsnormen begrei- fen wollte. In ihnen erschöpft sich der Prozeß jedenfalls nicht. Für meine erste The- se kann ich daher wohl auf allgemeine Zustimmung hoffen: Der Strafprozeß kann – um Karl Peters zu zitieren – nicht nur vom Rechtlichen her verstanden werden2. Damit wird die Notwendigkeit und Unentbehrlichkeit rechtlicher Regeln für das Verfahren vorausgesetzt, ebenso wie die Bedeutung einer normativ-juristischen Verfahrensrechtswissenschaft, die sich mit der Auslegung und Systematisierung der Rechtsregeln befaßt. Zugleich liegt darin aber auch die Absage an eine theore- tisch wohl mögliche Beschränkung auf eine rein juristische Betrachtung von Ver- fahren, etwa im Kelsen‘schen Sinne. Jede Handlung im Verfahren hat ihre „nicht nur vom Recht bestimmbaren Ursachen“3. Vor allem Peters hat daher eine Straf- prozeßlehre gefordert, die die vielfältige Wirklichkeit des Verfahrens, das was im Verfahren vor sich geht, welche Gründe und Kräfte dafür bestimmend sind, heraus- arbeitet4. Im Proze...

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