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Die Geschichte der Vorurteile: Wieland-Rezeption im 19. Jahrhundert

Wieland in der Literaturgeschichtsschreibung von 1839 bis 1911

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Sascha Ferber

Christoph Martin Wieland war einer der umstrittensten Autoren des 18. Jahrhunderts. Fand er bei den Zeitgenossen zunächst überwiegend Akzeptanz, geriet er unter den Angriffen der Klassiker und mehr noch der Romantiker als «frivol», «unmännlich» und vor allem als «undeutsch» zunehmend in Verruf. Diese frühe Kritik marginalisierte den Autor, ehe ein größeres Publikum ihn wirklich gelesen hatte. Die Studie rekonstruiert den Hauptstrom der vorurteilsgesättigten Wieland-Rezeption, der die Literaturgeschichten der Berichtszeit durchzieht, legt aber anhand vieler bislang unbeachteter Zeugnisse – etwa zur Aufnahme des Agathon-Romans – auch einen breiten Gegenstrom in der Literaturgeschichtsschreibung des 19. Jahrhunderts frei, der die hohe Anerkennung bezeugt, die Wieland, teils wohl gegen die Absicht der Kritiker selbst, auch im 19. Jahrhundert gezollt worden ist.

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4 Das Ergebnis: Wieland ein bereits im 19. Jahrhundert anerkannter Dichter

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Die vorliegende Studie hat gezeigt, daß Wielands sachlich-künstlerische Leistun- gen immer und immer wieder durchaus gesehen, besprochen, gelobt, gar gerühmt werden, während der Vordergrund der Darstellungen Wielandscher Leistungen von einer pejorativen Kritik beherrscht ist, die sich um Merkmale der Wieland- schen Persönlichkeitsstruktur rankt.Wielands Vermögen als Dichter Wieland wird in durchaus fundierten Stellungnahmen sprachliche Meister- schaft in höchstem Maßte attestiert. Gewandtheit, Grazie und Anmut werden seinen Dichtungen zugestanden, während seine Behandlung des Reimes eben- falls als die eines Meisters angesehen wird. Nimmt man dies zusammen mit den Attributen einer ‚reichen Phantasie‘ und eines heiteren Humors, so sind schon zentrale Potenzen eines großen dichterischen Vermögens bezeichnet, während die Kritik sich im Kern fast ausschließlich um einen weichlich-weiblichen, schwatzhaften, lüsternen Dichterling, als welcher der Dichter auf der vorder- gründigen Ebene dargestellt wird, bezieht. Es wurde an zahlreichen Beispielen deutlich, daß durch die negativen Dar- stellungen des Dichters vollauf die Anerkennung zentralster Eigenschaften eines Dichtergenies hindurchschimmert. Zieht man nun jene Persönlichkeitsmerkmale ab, bleibt eine positive Wielanddarstellung bereits in der Literaturgeschichts- schreibung des 19. Jahrhunderts übrig. Dieses Ergebnis wird zusätzlich noch abgestützt durch einige Seiten: Wurde Wieland gerade von den Romantikern am meisten angefeindet, und wurden de- ren Argumenten beständig auch in der Literaturgeschichtsschreibung des unter- suchten Zeitraumes gegen den Biberacher zu Felde geführt, so zeigen diejenigen Literaturgeschichten, die sich auf die Frage der Wielandschen Romantik ernst- haft einlassen, ein Ergebnis, welches dazu in exakter Opposition...

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