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Alexander von Humboldts Metaphysik der Erde

Seine Welt-, Denk- und Diskursstrukturen

Hans-Otto Dill

Anhand Alexander von Humboldts amerikanischem Reisewerk ( Reise in die Äquinoktialgegenden des neuen Kontinents, Politische Essays über Mexiko und Kuba) wird in dieser Untersuchung in Verbindung mit der Erdphilosophie seines Kosmos nachgewiesen, dass dessen Denk- und Diskursstrukturen auf einem in der Dialektik Erde-Mensch kulminierenden System von Binomen beruhen. Mit ihrer Hilfe sei es dem preußischen Natur- und Kulturwissenschaftler gelungen, wesentliche kausalgenetische Zusammenhänge zwischen der spezifisch lateinamerikanischen Natur und den indigen-kreolischen Gesellschaften auf diesem Subkontinent aufzudecken. Auch die respektiven Unterschiede zu Europa lassen sich mit dessen anderer Natur und Kultur – im Unterschied zu rassistischen und biologistischen Theorien – erklären.

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Erstes Kapitel: Humboldts Erde-Mensch-Metaphysik

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Alexander von Humboldts spektakuläres Auftreten auf der wissenschaftli- chen Weltbühne Anfang des 19. Jahrhunderts bedeutete eine Wende der Welt- wissenschaft im wortwörtlichen Sinn: als Wissenschaft von der Welt und als Weltwissen. Seine Sendung wird unter Außerachtlassung dieser planetarischen Dimension oft darauf verkürzt, nach Kolumbus der zweite Entdecker Amerikas gewesen zu sein, wie es der kubanische Gelehrte Luz y Caballero allerdings nur in Bezug auf Kuba formulierte, und wie es auch die Inschrift an seinem Denk- mal im Ehrenhof der Berliner Humboldt-Universität besagt. Doch lateinameri- kanischerseits wird die Entdeckung Amerikas durch Humboldt von einer ganz anderen Perspektive interpretiert, dass er nämlich die eurozentristische Sicht sei- ner Vorgänger, die bis heute die Zentralperspektive der meisten Europäer und Amerikaner ist, zurückgewiesen habe. Das heißt nicht, dass er statt der europäi- schen die amerikanische Perspektive einnahm, nur einen Regionalismus gegen einen anderen austauschte, sondern er wertete alle Phänomene aus der höheren, globalen Warte der Gea, der Erdkugel, was mehr ist als Geographie. Das be- deutete eine Umwertung aller Werte vom europäischen Regionalismus weg zum wissenschaftlichen Kosmopolitismus, zum „Weltbewusstsein“. Hieraus folgt der Hauptunterschied zwischen erstem und zweitem Entdecker: Kolumbus hatte den praktischen Beweis für die Kugelgestalt der Erde und die Erdrotation um die Sonne erbracht und damit endgültig den ptolemäischen Geo- zentrismus widerlegt, doch letzteren durch den Eurozentrismus ersetzt. Diesen Eurozentrismus widerlegte seinerseits Humboldt, der mit der Fokussierung auf den Planeten Erde einen wissenschaftlichen Neo-Geozentrismus begründete....

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