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Alexander von Humboldts Metaphysik der Erde

Seine Welt-, Denk- und Diskursstrukturen

Hans-Otto Dill

Anhand Alexander von Humboldts amerikanischem Reisewerk ( Reise in die Äquinoktialgegenden des neuen Kontinents, Politische Essays über Mexiko und Kuba) wird in dieser Untersuchung in Verbindung mit der Erdphilosophie seines Kosmos nachgewiesen, dass dessen Denk- und Diskursstrukturen auf einem in der Dialektik Erde-Mensch kulminierenden System von Binomen beruhen. Mit ihrer Hilfe sei es dem preußischen Natur- und Kulturwissenschaftler gelungen, wesentliche kausalgenetische Zusammenhänge zwischen der spezifisch lateinamerikanischen Natur und den indigen-kreolischen Gesellschaften auf diesem Subkontinent aufzudecken. Auch die respektiven Unterschiede zu Europa lassen sich mit dessen anderer Natur und Kultur – im Unterschied zu rassistischen und biologistischen Theorien – erklären.

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Zweites Kapitel: Humboldts Personalbiographie und seine Welt- und Schreibstrukturen

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Die im vorigen Kapitel aufgelisteten Binomien scheinen als Haupt- strukturelemente seines Weltbildes, d. h, seiner physischen Weltbeschreibung und damit der Weltstrukturen, von früh an vorhanden zu sein. Sie lassen sich nicht schlüssig aus seiner empirischen Erlebens-Biographie entwickeln, dazu sind sie viel zu abstrakt. Humboldt war nicht nur ein vielgereister, sondern auch ein viel belesener Mann, und er bezog einen Großteil seiner im Wortsinn universalen Kenntnisse aus seinen umfangreichen und früh begonnenen Lek- türen, die sein Weltbild im wesentlichen formierten, das durch seinen prin- zipiellen Empirismus zwar wesentlich erweitert und differenziert, aber nicht begründet worden war. Seine ihn prägenden Lektüren bestanden nicht nur und nicht einmal in erster Linie aus sogenannter Fachliteratur der Naturwissen- schaften, zu deren Hauptvertreter er von einem Teil der Humboldtliteratur immer wieder in einer Art permanenten Reduktionismus erklärt wird, sondern auch und sogar in erster Linie aus philosophischen, geowissenschaftlichen und kosmologischen Werken von den griechischen und römischen Klassikern über Albertus Magnus und Nikolaus von Cues, und Denkern und Dichtern der Renaissance wie Dante Aleghieri und Bembo und deren Nachfolger Kepler, Leibniz und Newton bis hin zu den französischen Aufklärern Rousseau und Voltaire und dem deutschen Idealismus von Kant und Schelling, bis zu Goethe und Schiller. Aus dieser Quelle speiste sich sein binäres, dialektisches und evolutives Denken, das er wohl als erster in dieser Breite und Tiefe in die Naturforschung einführte. Seine diesbezüglichen empirischen Forschungen führten ihn also keines- wegs auf deduktivem...

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