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Alexander von Humboldts Metaphysik der Erde

Seine Welt-, Denk- und Diskursstrukturen

Hans-Otto Dill

Anhand Alexander von Humboldts amerikanischem Reisewerk ( Reise in die Äquinoktialgegenden des neuen Kontinents, Politische Essays über Mexiko und Kuba) wird in dieser Untersuchung in Verbindung mit der Erdphilosophie seines Kosmos nachgewiesen, dass dessen Denk- und Diskursstrukturen auf einem in der Dialektik Erde-Mensch kulminierenden System von Binomen beruhen. Mit ihrer Hilfe sei es dem preußischen Natur- und Kulturwissenschaftler gelungen, wesentliche kausalgenetische Zusammenhänge zwischen der spezifisch lateinamerikanischen Natur und den indigen-kreolischen Gesellschaften auf diesem Subkontinent aufzudecken. Auch die respektiven Unterschiede zu Europa lassen sich mit dessen anderer Natur und Kultur – im Unterschied zu rassistischen und biologistischen Theorien – erklären.

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Neuntes Kapitel: Mensch und Erde – Humboldts Universalien

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Unter der Erderoberung versteht Humboldt nicht die bloße Besetzung von Territorien, wie etwa Clausewitz in seinem Buch Vom Kriege, auch nicht die Inbesitznahme von unbewohntem und nun von und für Menschen zur Eroberung freigegebenen Neulands wie bei der von ihm öfters erwähnten Erstbesiedlung der leeren westlichen Hemisphäre durch die „Rothäute“, sondern meist die neuerliche Eroberung von bereits von je anderen Populationen besetzten Territo- rien. Wo ist da der Gewinn für die Menschheit bei diesem Nullspiel lediglich intertribaler Eroberungen, bei denen die eine Population nur gewinnt, was die andere verlor? Dieser Gewinn besteht für Humboldt meiner Meinung nach, und das ist bei den vielen Interpretationen des Kosmos eigentlich nie heraus- gekommen, schon allein in der bloßen Agglomeration, in der zusammen- schließenden Verbindung von kleineren zu immer größeren Populationen, in der Überwindung vorgängiger Trennungen. Humboldt erzählt in langen Partien des tellurischen Teils des Kosmos nichts weiter als die Geschichte dieser Agglomerationen. Die je größere Quantität der Menschenmengen erbringt für ihn schon per se eine höhere Qualität des Menschseins. Die Assoziierung menschlicher Populationen erhält relativen Selbstwert. Anders wäre nicht zu erklären, warum er eine Reihe „Vereinigungen“ ohne jedes manifeste Folgeergebnis aufzählt. Meist genügt ihm als Resultat die bloße Nennung des Assoziationsmodus – gewaltsame Eroberung oder friedlicher „Anschluss“. Agglomeration und Menschheit Diese Agglomerationen sind Ergebnisse von Kriegszügen, Annexionen und Kolonisationen, wie sie Humboldt in Kosmologien, Mythologien und Chroniken beschrieben fand. Seine...

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