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Sprachenpolitik in Österreich

Bestandsaufnahme 2011

Series:

Rudolf de Cillia and Eva Vetter

Das Buch hält eine Rückschau auf die letzten zehn Jahre Sprachenpolitik in Österreich. ExpertInnen nehmen zu den zentralen Aktionsfeldern österreichischer Sprachenpolitik Stellung. Sie schließen dabei an die Bestandsaufnahme 2001 an (Busch/de Cillia 2003) und skizzieren die Entwicklungen im Zeitraum von 2001 bis 2011. In der Mehrzahl der sprachenpolitischen Felder sind die Befunde ernüchternd, in einigen Bereichen (z.B. Österreichische Gebärdensprache, Basisbildung, Fremdsprachenunterricht) zeigen sich positive Veränderungen. Das Buch schließt mit der «Klagenfurter Erklärung 2011». Diese im Anschluss an die Klagenfurter Erklärung 2001 neu formulierte Erklärung zur sprachenpolitischen Situation in Österreich enthält die zentralen Forderungen, die sich aus aktueller Sicht ergeben.

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Verena Krausneker: Österreichische Gebärdensprache ist anerkannt

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127 Verena Krausneker Österreichische Gebärdensprache ist anerkannt132 Es war ein großer Freudentag in der österreichischen Gehörlosengemeinschaft, als am 06.07.2005 im Nationalrat eine Verfassungsänderung beschlossen wurde. Eine kleine, aufgeregte Gruppe saß ganz oben auf der Zuschauertribüne, als die – für dieses Ereignis bestellten – DolmetscherInnen unten die Debatte in Öster- reichischer Gebärdensprache wiedergaben. Die Abgeordneten stimmten tatsäch- lich dafür, dass dem Artikel 8 der Bundesverfassung ein neuer Absatz 3 hinzu- gefügt werden sollte, der ab 01.09.2005 lauten würde: Die Österreichische Gebärdensprache ist als eigenständige Sprache anerkannt. Das Nähere bestimmen die Gesetze. (Art. 8 Abs. 3 BV-G) Als die Abstimmung vorbei war, verließen die ZeugInnen des historischen Ereignisses das Parlament und trafen fünf Gehminuten entfernt im Burggarten auf eine große Gruppe GebärdensprachbenutzerInnen. Gemeinsam wurde das Erreichen des hart erkämpften Ziels an diesem Nachmittag ausgelassen gefeiert. Die Nachricht zum neuen Status der Österreichischen Gebärdensprache (in der Folge: ÖGS) verbreitete sich schließlich über die „European Union of the Deaf“ rasant in die anderen europäischen Gehörlosengemeinschaften. Seither hat nur ein weiteres Land der Welt seine nationale Gebärdensprache in den Ver- fassungsrang erhoben. Von 195 Staaten auf der Welt haben aktuell (Juni 2011) 49 Verfassungs- bestimmungen, Gesetze oder andere Bestimmungen zu ihrer nationalen Gebär- densprache bzw. ihren Gebärdensprachen verabschiedet133. Gesetze, die zwar Barrierefreiheit bezwecken, jedoch nicht direkt auf Gebärdensprachbenutzung abzielen, wie zum Beispiel Bestimmungen zur Regelung von Untertiteln im Fernsehen, sind...

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