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Arbeitsfelder der Jugendsprachforschung

Studienbuch für Lehre und Forschung

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Joachim Gerdes

In diesem Band sollen Annäherungen an das Phänomen der deutschen Jugendsprache aus unterschiedlicher Sichtweise vorgenommen werden. Ein solcher multiperspektivischer Ansatz erscheint geeignet, der Vielschichtigkeit und Sperrigkeit des sich einer monosemischen Definition widersetzenden Forschungsgegenstandes hinreichend gerecht zu werden. Jedes der elf Kapitel ist dabei einer linguistischen Teildisziplin verpflichtet, darunter Grammatik, Soziolinguistik, Textlinguistik, Kulturwissenschaft, Sprachkontaktforschung, Sprachwandelforschung und Sprachkritik. Die Frage, ob die Jugendsprache die Substanz der historisch gewachsenen und im Laufe der Kulturgeschichte verfeinerten deutschen Sprache subversiv untergräbt oder ob ihr sprachhistorischer Wert in ihrem enormen sprachschöpferischen Potenzial ruht und sie damit die Vorhut des weder vermeidlichen noch umkehrbaren kontinuierlichen Sprachwandels bildet, ist kaum definitiv zu beantworten. Ziel der Monographie ist daher vielmehr mithilfe unterschiedlicher Ansätze einen möglichst umfassenden Überblick über Erscheinungsformen der (deutschen) Jugendsprache zu präsentieren und zur weiteren Vertiefung der einzelnen Forschungsansätze anzuregen.

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9 Schriftlichkeit und Mündlichkeit – Diamesik in der Jugendsprache

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Jugendsprache war bis in die 80er Jahre des letzten Jahrhunderts ein nahezu ausschließlich auf die diamesische Varietät der mündlichen Kommunikation beschränktes Phänomen. In der Tat muss zu Recherchen über ältere Jugendsprachen bis in die 80er Jahre des 20. Jahrhunderts auf literarische Verarbeitungen jugendlichen Sprechens oder auf vereinzelte Wortlisten und Glossare zurückgegriffen werden, da die Quellenlage äußerst dürftig ist (vgl. dazu Neuland 2008, 88ff.). Erst seit den 80er Jahren nimmt mit der zunehmenden medialen Thematisierung des Phänomens Jugendsprache und dem damit einhergehenden Anwachsen des gesellschaftlichen Interesses für dieses zunächst als eigenständige Sprache oder abgrenzbaren Soziolekt wahrge- nommene Varietätengemisch auch die Produktion von schriftsprachlicher Dokumentation zu. Dies erfolgt zunächst in Form von jugendsprachlichen Wörterbüchern (vgl. Kap. 2), Wort- und Textsammlungen, wie auch Gesprächs- transkriptionen zu Forschungszwecken und schließlich zumeist satirischen und Unterhaltungszwecken dienenden fiktionalen Texten, die in einem häufig wenig authentischen Konzentrat jugendsprachlicher Ausdrucksformen abgefasst sind (vgl. Kap. 10). Mit der massenweisen Nutzung neuerer Kommunikationsmedien durch Jugendliche, die im Laufe der 90er Jahre einsetzt und ihren Höhepunkt aller Wahrscheinlichkeit nach noch nicht erreicht hat, setzt ein Wandel in der Gewichtung der diamesischen Variation innerhalb der Jugendsprachen ein, insofern die fernmündliche Kommunikation nicht nur durch die Option der Videotelefonate ergänzt, sondern durch umfangreiche und vielschichtige Möglichkeiten der fernschriftlichen, tastaturbasierten Kommunikation erweitert, ersetzt und auch verdrängt wird. Dürscheid / Wagner / Brommer kommentieren diese Entwicklung zusammenfassend: Durch die Nutzung...

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