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Der Status von «bekommen» + «zu» + Infinitiv zwischen Modalität und semantischer Perspektivierung

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Anne Jäger

Durch Grammatikalisierung entwickeln lexikalische Zeichen zunehmend grammatische Funktionen. So können aus ehemals konkreten Verben schließlich Hilfsverben entstehen. Das deutsche Verb bekommen erfüllt in Verbindung mit Partizipien bereits grammatische Funktion (Stichwort: Rezipientenpassiv). Doch bekommen findet auch mit zu-Infinitiven Verwendung. Aus dem Englischen und anderen Sprachen ist bekannt, dass Verben aus dem Umfeld von bekommen durch die Kombination mit Infinitiven modale Bedeutung – oft im Sinne von Erlaubnis, Möglichkeit oder Notwendigkeit – erlangen können. Aber wie sieht es im Deutschen aus? Eine breit angelegte Korpusanalyse des heutigen Deutschen klärt Verwendungsmuster, Bedeutung und Funktion von bekommen mit zu-Infinitiv und zeigt den Stand der Auxiliarisierung.

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8 Rückblick und Ausblick

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8.1 Interdisziplinäre methodische Nachgedanken Ausgangspunkt dieser Arbeit war die Frage, ob bekommen mit zu-Infinitiv mo- dale Bedeutungen trägt. Eine instinktive und nicht weiter wissenschaftlich fun- dierte Antwort auf diese Frage fällt negativ aus. Nach ausführlicher Analyse ei- nes Korpus von 1170 Beispielsätzen hat sich an dieser Antwort kaum etwas ge- ändert: Bekommen mit zu-Infinitiv dient (noch) nicht dem Ausdruck von moda- len Bedeutungen. Auf den ersten Blick scheint der Erkenntnisgewinn also aus- gesprochen gering bemessen zu sein, so dass vor diesem Hintergrund die Frage gestellt werden muss, inwiefern die gewählte Methode zur Ermittlung von Be- deutung und Funktion des bekommen-Komplexes tatsächlich geeignet ist. In den Naturwissenschaften ist die Formulierung von Fragestellungen, die untersuchen, ob zwischen einem Faktor X und einem Faktor Y ein Zusammen- hang besteht, ein übliches Verfahren. So wird beispielsweise in der Medizin un- tersucht, ob Wechselwirkungen zwischen einem Medikament A und einem Me- dikament B bestehen, und die Erkenntnis, dass es keine Verknüpfung gibt, ist dabei mindestens ebenso wichtig wie ein Nachweis der Existenz einer solchen Verbindung. Demgegenüber sind derartige Ansätze in den Geisteswissenschaf- ten eher unüblich. Hier werden anstelle von existenzorientierten eher qualitative Untersuchungen angestellt. Gefragt wird also nicht, ob ein Zusammenhang exis- tiert, sondern wie dieser Zusammenhang beschaffen ist. Wird dennoch eine Existenzfrage gestellt, ist damit ein positiver Befund praktisch bereits impliziert. Der Nachteil von qualitativen Ansätzen liegt in der Prädeterminiertheit der so ermittelbaren Erkenntnisse. Herausgefunden werden kann nur das, was von...

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