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Kinder von 1 bis 6

Bilderbuchrezeption und kognitive Entwicklung

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Marie-Luise Rau

Die Rezeption von Bilderbüchern im Vorschulalter ist Bestandteil eines intensiven Entwicklungs- und Lernprozesses. Die Einteilung von Bilderbüchern in verschiedene Unterarten ermöglicht es, die jeweilige Wirkung auf die kindlichen Rezipienten, deren sprachliche und kognitive Fähigkeiten wie auch deren Interessen präzise zu bestimmen. Die Studie will zeigen, wie Bilderbücher der unterschiedlichsten Art die Herausbildung von Raum- und Zeitkonzepten stimulieren und die Bildung eines Ich-Konzepts anstoßen können. Darüber hinaus werden Bilderbücher hinsichtlich ihrer narrativen Strukturen wie ihrer Themen zur Erwachsenenliteratur in Beziehung gesetzt. Es wird die besondere Fähigkeit von Bildern herausgestellt, komplexe Botschaften verständlich und differenziert zu übermitteln. Weitere Gegenstände dieser Studie sind das dialogische Vorlesen, die Bezüge zu Spiel und zum Erzählen, die Bedeutung von Tiercharakteren wie ein Vergleich von Bilderbuchgeschichten und Märchen.

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9. Entwicklungslinien des Bilderbuchs

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Avantgarde und Bilderbücher (1. Hälfte des 20. Jahrhunderts) Die europäische Avantgarde übte einen Einfluss auf postmoderne Bilderbücher aus, der erst jetzt in den Fokus der Forschung gekommen ist. Es geht um Symbo- lismus, Surrealismus, Kubismus, Expressionismus, Dadaismus und Konstrukti- vismus. Die Künstler hatten Kontakt miteinander. Zwischen Grafik, Architektur und Malerei gab es Verbindungslinien. Der russische Grafiker und Architekt El Lissitzky entwarf beispielsweise Bucheinbände und Plakate, auf denen geometri- sche Figuren dreidimensional und räumlich wirkten. Kasimir Malewitsch mit sei- nem Ziel, alles auf einfachste geometrische Formen zu reduzieren (Suprematis- mus), beeinflusste das Bauhaus. Kurt Schwitters gestalteten zusammen mit Käte Steinitz und Theo van Doesberg das „Märchen“ Die Scheuche (1925) rein typo- grafisch, ohne Bilder (s. Kap. 3b). Käte Steinitz erzählt in dem Bilderbuch Billy (1936/2007) Geschichten eines Jungen, der von Eisenbahnen fasziniert ist. Es besteht aus 30 Einzelblättern aus Transparentpapier mit typografisch auffälliger Schrift mit Bleistift und rotem Buntstift. Das Folgende scheint durch, so dass die eigentlich statischen Bilder eine dynamische Dimension bekommen. Typografie macht die Bedeutung der Wörter vorstellbar, die Buchstaben werden zu Tunneln. Heute verwendet Charlotte Gastaut, französische Bilderbuchautorin und Grafi- kerin, dieselben Mittel. Ausgestanzte Elemente (Wolken, Baumzwischenräume) öffnen die Sicht auf das Kommende und lassen zurückblicken. Bilder auf Perga- mentpapier malen die geheimnisvolle Atmosphäre unter Wasser (Die große Reise von Fräulein Pauline, 2011). Zur europäischen Avantgarde gehören auch Kon- takte zu japanischen Künstlern, beispielsweise wurde...

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