Show Less

Autarke Kommunikation

Wissenstransfer in Zeiten von Fundamentalismen

Series:

Matthias Ballod and Tilo Weber

Die Vielfalt der Kommunikationsformen und -anlässe in modernen Gesellschaften beinhaltet Chancen und Risiken gleichermaßen. Kommunikation lässt sich offenbar weder im Schriftlichen noch im Mündlichen beliebig beschleunigen oder verdichten. Eine mögliche Reaktion auf diese Überforderungen ist die Sehnsucht nach radikaler Komplexitätsreduktion – bis hin zur Flucht in Fundamentalismen, die ihrerseits neue Ängste heraufbeschwören. Wie können wir Phänomenen der Unerreichbarkeit kommunikationswissenschaftlich gerecht werden? In welchen gesellschaftlichen Domänen lassen sich Phänomene der kommunikativen Unerreichbarkeit beobachten? Welche Strategien zur Überwindung kommunikativer Unerreichbarkeit werden in der Praxis angewandt? Der Band versammelt Beiträge zum 8. Kolloquium «Transferwissenschaften», die sich aus unterschiedlichen Perspektiven den Problemen kommunikativer Autarkie nähern.

Prices

Show Summary Details
Restricted access

III. Strategien der Überwindung von Fundamentalismen

Extract

Nichtwissen, Wissenschaft und Fundamentalismen – Ein Werkstattbericht Anne Simmerling / Lisa Rhein / Nina Janich (Darmstadt) 1 Einführung: Nichtwissen und Fundamentalismen im Wissenstransfer In unserer Gesellschaft, die schon seit geraumer Zeit als Wissensgesellschaft verstanden wird, gilt Wissenschaft als die Instanz der Wissensproduktion: Wis- senschaft forscht und kommt zu Erkenntnissen, auf deren Basis weiter geforscht wird. Innerhalb der Wissenschaft, aber auch der Öffentlichkeit, ist die Begeiste- rung über neueste Forschungsergebnisse und triumphale Erfolge der Wissen- schaft meist groß. Dieser Enthusiasmus und das mitunter blinde Vertrauen kom- biniert mit einer als immer komplexer empfundenen und werdenden Werte- und Weltordnung birgt allerdings die Gefahr, dass Menschen auch in Bezug auf Wis- senschaft zu fundamentalistischen Haltungen neigen: „Wissenschaft als ver- meintlicher Produzent ‚ewiger Wahrheiten‘ wird – so scheint es – nach wie vor in die Nähe einer säkularisierten Religion gerückt bzw. als Ersatzreligion konzi- piert“ (Antos/Gogolok 2006: 117). Auf der Suche nach einfachen Lösungen kommt es zu Verweigerungen gegenüber einer sachlichen, kritischen Sichtweise auf Wissenschaft sowie notwendigerweise komplexen Erklärungen. Dies kann nicht nur zu einer unangemessenen Glorifizierung von Wissenschaft sowie zu einem überhöhten Anspruch in Bezug auf das Problemlösepotenzial der Wissen- schaft beitragen, sondern auch zu einer Form der kommunikativen Unerreich- barkeit solcher Gesellschaftsgruppen führen. In diesem Zusammenhang muss auch das Nichtwissenwollen berücksichtigt werden, denn eine fundamentalisti- sche Haltung zeichnet sich u.a. dadurch aus, dass ignoriert, ausgeschlossen oder schlicht übersehen wird, was nicht in das (fundamentalistische) Weltbild passt. Da in der westlichen Welt Wissen immer noch...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.