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«Transfer – Interdisziplinär!»

Akteure, Topographien und Praxen des Wissenstransfers

Edited By Eszter B. Gantner and Péter Varga

Dieser Band fragt nach dem Begriff «Transfer» und verweist damit auf die breiteste Bedeutung des Wortes: angefangen von der mittelalterlichen «Peregrinatio» – im konkreten geographischen Sinne – über den Dialog von Kulturen bis hin zur Darstellung verdeckter Erscheinungsformen in der Intertextualität. Der Begriff «Transfer» leitet sich von dem lateinischen Wort «transferre» ab und bedeutet wortwörtlich «hinüberbringen». Der Duden erklärt Transfer mit dem Wort «Übertragung». Diese Definition wird in heuristischer Absicht zum Ausgangspunkt genommen, um den Gebrauch des Begriffes in Bereichen der Geistes-und Sozialwissenschaften zu topographieren.

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I. Topographien

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Narrative der Migration. Ludwig Stein, Jonas Fränkel und die intellektuellen Netzwerke in der Schweiz, 1890–1965 Stefanie Leuenberger „Ich wies auf die großen Gefahren hin, die für Rußland daraus erwüchsen, daß man die nihi- listische Jugend aus den eigenen Universitäten ausschlösse und ins Ausland, insbesondere nach der Schweiz, zwänge, wo sie durch die vergleichende Betrachtung der politischen Ker kerluft Rußlands mit der Höhensonne republikanischer Vollendung in der Schweiz notge- drungen zu Revolutionären herangezogen würden.“1 Seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts begaben sich Studierende aus den ost- und mittelosteuropäischen Ländern zunehmend an westeuropäische, vor allem deutschsprachige Universitäten. Wie für viele deutsche Hochschulen galt auch für die Situation in der Schweiz: „Der Zustrom von Studierwilligen aus dem Zarenreich, das durch politische Repression und einen prohibitiven Nume- rus clausus für Juden und Frauen einen grossen Teil seiner bildungshungrigen Jugend in die Emigration trieb, stieg seit den neunziger Jahren sprunghaft an.“2 Ludwig Stein schrieb in seiner Autobiographie, „daß unter anderen Lenin, Trotzki, Radek, Joffé, Rakowski, kurz die Häupter der Sowjetregierung“ Ende der 1890er Jahre zu den Hörern seiner Berner Vorlesungen gezählt hatten, in denen er u.a. das Thema „Die soziale Frage im Lichte der Philosophie“ behan- delte.3 Die sich in diesem Zustrom mittelosteuropäischer Studenten manifestierende Migration einer Wissenselite4 spielte eine wichtige Rolle bei der Vermittlung von Wissen von West- nach Osteuropa, prägte aber auch wesentlich das...

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