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Der historische Roman

Erkundung einer populären Gattung

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Hans-Edwin Friedrich

Der historische Roman zählt zu den Erfolgsgattungen der letzten 20 Jahre, doch erst jetzt beginnt die Literaturwissenschaft, sich intensiv mit dieser Entwicklung auseinanderzusetzen. Der Sammelband widmet erfolgreichen Leseklassikern des Genres ausführliche Fallstudien. Er geht der Rehabilitierung des Geschichtsromans in der Postmoderne nach und beschäftigt sich besonders mit den parahistorischen und metafiktionalen Romanformen, die das Verhältnis von factum und fictum verhandeln und fachliche Trends der Geschichtswissenschaft aufgreifen. Der Band bietet darüber hinaus detaillierte Untersuchungen zu aktuellen Bestsellern und deren Tendenz, sich vom traditionellen Modell der nationalen Erfolgsgeschichte ab- und der «Abweichlergeschichte» zuzuwenden. Den Abschluss bildet eine Primärbibliographie des historischen Romans seit 1985.

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Ole Petras: Eine „unumgängliche Gegenwart“. Zu Christoph Ransmayrs "Die Schrecken des Eises und derFinsternis"

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Eine „unumgängliche Gegenwart“ Zu Christoph Ransmayrs Die Schrecken des Eises und der Finsternis Ole Petras Der historische Roman wird, unaufhaltsames Fortschreiten der Zeit, selbst zu einem historischen Faktum. Insofern die Vergangenheit an der Mattscheibe des Erzählens kondensiert, können nachfolgende Leser Aufschluss darüber erhalten, welche Formen der Prozess der Literarisierung zeitigte, ja sogar welchen Status die historischen Fakten zu einer bestimmten Zeit, sagen wir 1984, innehatten.1 Im genannten Jahr erschien Christoph Ransmayrs Debütroman Die Schrecken des Eises und der Finsternis in einer Auflage von 4000 Exemplaren beim Wie- ner Verlag Brandstätter.2 Seitdem hat es diese Beschreibung der in den Jahren 1872-74 unter der Leitung von Julius Payer und Carl Weyprecht realiter unter- nommenen Arktisfahrt nicht nur zu einer breiten Leserschaft gebracht,3 ebenso groß ist das Interesse der Literaturwissenschaft. Dabei wird das Buch wahlweise in den Kontext der deutschsprachigen Postmoderne gestellt,4 oder, was noch zwingender scheint, mit den nachfolgenden Werken des Autors verglichen.5 Auch hier also Zeitgeschichte: Die mit der Publikation von Die letzte Welt (1988) sprunghaft angestiegene Popularität des Autors provoziert eine Relektüre des zunächst nicht sonderlich erfolgreichen Debüts. Die Annahme einer werk- übergreifenden Schreibweise Ransmayrs rechtfertigt wiederum die epochale Verortung. Vor diesem Hintergrund ist es interessant zu beobachten, dass trotz der Fo- kussierung der literarischen Verfahren (die sowohl die Zuordnung zur ‚Postmo- 1 Vgl. Christoph Eykman: Entwurf der Vergangenheit. Geschichtsphilosophische Positio- nen im deutschen historischen Roman. Berlin 2011, hier besonders S. 9f. 2 Christoph Ransmayr: Die Schrecken des...

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