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Die Pionierorganisation «Ernst Thälmann»

Pädagogik, Ideologie und Politik- Eine Regionalstudie zu Dresden 1945–1957 und 1980–1990

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Beate Kaiser

Die Pionierorganisation Ernst Thälmann vereinte im Herbst 1989 etwa 98% aller Kinder der DDR. Straff zentralistisch organisiert und ständig von FDJ und SED kontrolliert, sollte sie die ideologische Erziehung der Jüngsten sichern. Die Studie untersucht, ob die pädagogische Arbeit der Pionierorganisation in der Realität tatsächlich den Vorgaben entsprach und als Instrument des totalitären Staates die gewünschten Einstellungen und Verhaltensweisen produzierte. Welche Rolle spielten Pionierleiter, Lehrer und Kinder im Gefüge der Organisation? Wie reagierten die Leitungen auf Probleme und Konflikte? Existierten innerhalb der Pionierorganisation pädagogische Freiräume und wie wurden sie genutzt? Diese Fragen werden am Beispiel der Stadt Dresden exemplarisch beantwortet.

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VI. Die Pionierorganisation in Dresden 1980-1990

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VI.1. Strukturen Die Arbeit der Pionierorganisation wurde auch auf der lokalen Ebene durch das Zusammenwirken von FDJ, Volksbildung und SED bestimmt (vgl. Kap. V.2). Dabei kamen den einzelnen Partnern unterschiedliche Aufgaben zu: Innerhalb der FDJ waren die Abteilungen Junge Pioniere und Schuljugend für die Leitung der Pionierorganisation verantwortlich. Diese Abteilungen agier- ten auf allen Ebenen (Bezirk, Kreis und Stadtbezirk) und unterstanden einem Vorsitzenden, der gleichzeitig als Mitglied des betreffenden Sekretariates fun- gierte. Folglich arbeiteten in Dresden der Bezirksvorsitzende, der Stadt-(Kreis- )vorsitzende sowie die Stadtbezirksvorsitzenden der Pionierorganisation, die der nächst höheren Ebene, aber auch dem jeweils amtierenden 1. Sekretär ihrer Lei- tung verpflichtet waren. Innerhalb der einzelnen FDJ-Leitungsebene kooperier- ten die Abteilungen Junge Pioniere und Schulen u.a. mit den Abteilungen Arbei- terjugend, Landjugend, Agitation/ Propaganda, Studenten und Kultur. Auch die 1. und 2. Sekretäre der FDJ-Leitungen waren in die Arbeit der Pionierorganisa- tion gelegentlich involviert.1 Die FDJ-Abteilungen Junge Pioniere und Schuljugend verantworteten vor allem die inhaltliche und organisatorische Anleitung der Pionierarbeit. Entspre- chende Vorgaben erhielten sie von den jeweils höheren Leitungsebenen, letzt- lich also aus der Abteilung Junge Pioniere und Schuljugend beim FDJ- Zentralrat. Diese Richtlinien waren in ihren Zielstellungen oft sehr allgemein und unter Verwendung der üblichen Phrasen formuliert: im Schuljahr 1986/87 gehörten beispielsweise die „weitere Auswertung des XI. Parteitages zur klas- senmäßigen Motivation“ der Pioniere, die Begehung des 35. Jahrestages der Namensverleihung „Ernst Thälmanns“ an die Pionierorganisation sowie die langfristige Vorbereitung des 70. Jahrestages der Oktoberrevolution zu den Ar-...

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