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Der deutsche Osten in der Schule

Institutionalisierung und Konzeption der Ostkunde in der Bundesrepublik in den 1950er und 1960er Jahren

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Britta Weichers

Die Ostkunde war ein zentrales Bildungsanliegen in der frühen Bundesrepublik. Sie prägte die Schulbildung in den 1950er und 1960er Jahren entscheidend: Sie gestaltete die Erinnerung an die Vertreibungsgebiete sowie die entsprechenden Geschichts- und Gegenwartsbilder und strebte die Wiedergewinnung der ehemaligen deutschen Ostgebiete an. Zentrale Inhalte dieser Arbeit sind die Institutionalisierung und die inhaltliche Ausgestaltung der Ostkunde sowie ihre gesellschaftlichen Funktionen und Auswirkungen. Der multiperspektivische Ansatz der Studie verknüpft methodisch Diskurs-, Mentalitäts-, Politik- und Bildungsgeschichte miteinander. Sie beschreibt den Weg von entsprechenden Forderungen der Vertriebenenverbände bis zur Verankerung ihrer Inhalte in den westdeutschen Bildungskanon.

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Ostkunde in der Bundesrepublik nach 1945

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Vertriebene in Westdeutschland – Anfänge ostkundlicher Bestrebungen Mit der bedingungslosen Kapitulation des Deutschen Reiches am 8. Mai 1945 be- gann in Deutschland ein Zeitabschnitt, »der mit radikalen Umstellungen des alltägli- chen, politischen und gesellschaftlichen Lebens«1 einherging. Es waren nicht nur die Besatzung durch alliierte Streitkräfte, die politische Unmündigkeit, das Gefühl von Niederlage und Verlust, die materielle Not der Deutschen in den ausgebombten Städten, sondern auch die in den westlichen Teil des ehemaligen Dritten Reiches strömenden Flüchtlinge und Vertriebenen, die für die deutsche Gesellschaft einen radikalen Bruch mit der Vorkriegszeit bedeuteten. Die Flucht der deutschen Bevöl- kerung aus den Ostgebieten setzte bereits im Winter 1944/45 ein. Im Juni 1945, also nach der offiziellen Kapitulation, begann schließlich die Vertreibung der Deutschen aus den Ostgebieten.2 Während die Vertreibungsaktionen also bereits in vollem Gang waren, befassten sich die Alliierten zwischen dem 17. Juli und dem 2. August 1945 auf der Potsdamer Konferenz mit der Zwangsausweisung der Deutschen aus Ostmittel- europa.3 Die ethnischen Konflikte der vergangenen Jahrzehnte und die Taten der Nationalsozialisten während des Krieges machten eine Regelung, die einen dauerhaf- ten Frieden in Ostmitteleuropa gewährleistete, notwendig. Im Potsdamer Protokoll vom 2. August 1945 sprachen sich die Alliierten daher für eine Überführung der deutschen Minderheiten aus Ostmittel- bzw. Südosteuropa nach West- und Mittel- deutschland aus, um zukünftige Konflikte zu unterbinden.4 1 Julia Kölsch: Politik und Gedächtnis. Zur Soziologie funktionaler Kultivierung von Erinne- rung, Wiesbaden 2000,...

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