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Der deutsche Osten in der Schule

Institutionalisierung und Konzeption der Ostkunde in der Bundesrepublik in den 1950er und 1960er Jahren

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Britta Weichers

Die Ostkunde war ein zentrales Bildungsanliegen in der frühen Bundesrepublik. Sie prägte die Schulbildung in den 1950er und 1960er Jahren entscheidend: Sie gestaltete die Erinnerung an die Vertreibungsgebiete sowie die entsprechenden Geschichts- und Gegenwartsbilder und strebte die Wiedergewinnung der ehemaligen deutschen Ostgebiete an. Zentrale Inhalte dieser Arbeit sind die Institutionalisierung und die inhaltliche Ausgestaltung der Ostkunde sowie ihre gesellschaftlichen Funktionen und Auswirkungen. Der multiperspektivische Ansatz der Studie verknüpft methodisch Diskurs-, Mentalitäts-, Politik- und Bildungsgeschichte miteinander. Sie beschreibt den Weg von entsprechenden Forderungen der Vertriebenenverbände bis zur Verankerung ihrer Inhalte in den westdeutschen Bildungskanon.

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Ostkunde in der Schule – Thematische Ausrichtung und Materialgrundlage des ostkundlichen Unterrichts

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Methoden des Ostkundeunterrichts Bereits Mitte der 1950er Jahre versuchten Ostkundler, das deutsche Bildungswesen systematisch mit ostkundlichen Themenkomplexen zu durchdringen. Bis Ende des Jahrzehnts bemühten sie sich in erster Linie, Ostkunde in den unterschiedlichen Unterrichtsfächern aller Schularten durchzusetzen, ab 1960 konzentrierten sie ihre Anstrengungen auf die Berücksichtigung ostkundlicher Themen in der akademischen Ausbildung der Lehrer sowie in den Richtlinien für den Schulunterricht und in den Lehrbüchern. Zwischen 1963 und 1967 waren die Ostkundler weiterhin verstärkt bestrebt, der Ostkunde Beachtung in den Lehrplänen zu verschaffen und den ost- kundlichen Unterricht an Schulen zu verstärken.1 Sie nahmen dabei nicht nur Ein- fluss auf Bildungspolitiker der Kultusministerkonferenz2, um die Behandlung ost- kundlicher Themen im Bildungswesen durchzusetzen, vielmehr wollten sie die Leh- rer, im Besonderen die westdeutsche Lehrerschaft, direkt für eine Ostkunde im Unterricht gewinnen. Hierzu veranstalteten sie Tagungen zu ostkundlichen Themen3 und versuchten darüber hinaus, die Ausbildung künftiger Lehrer zu beeinflussen. Während sich die von der BAG durchgeführten Veranstaltungen anfänglich mit der Frage der Einbindung ostkundlicher Inhalte in die einzelnen Unterrichtsfächer befass- ten, legte die BAG 1958 einen Schwerpunkt auf die Umsetzung der Ostkunde in den einzelnen Schultypen. Ab 1959 wurden Fragestellungen aktuell, die sich mit Ostkunde in der politischen Bildung und Gegenwartskunde beschäftigten. Damit sollte die deutsche Ostkunde einen Gegenwartsbezug erhalten und auf die aktuellen Entwick- lungen in Ostmitteleuropa eingehen. Dementsprechend wurden Tagungen veranstal- tet, auf denen der Umgang mit der Sowjetunion und deren Satellitenstaaten im Schulun-...

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