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Somatische und emotionale Konzepte in der deutschen und polnischen Phraseologie

Ein lexikografischer Ansatz zum phraseologischen Übersetzungswörterbuch

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Malgorzata Gulawska-Gawkowska

Die Autorin stellt sich die Aufgabe, Übersetzern eine neuartige und wirksame Hilfe bei der Translation von Phraseologismen zu bieten. Sie konzentriert sich auf die drei Bedeutungsbereiche bzw. Konzepte Angst, Verwunderung und Wut. Dazu untersucht sie deutsche und polnische Somatismen, die «Körpermetonymien, Metaphern und konventionelle Mimik und Gestik» aufweisen. Als Ausgangspunkt für ihre Überlegungen und Strategien setzt sie sich mit traditionellen Wörterbüchern und der jeweiligen Darstellung von Phraseologismen auseinander. Diese kritische Sicht hilft ihr, einen neuen Ansatzpunkt zu finden. Er besteht in der Konzeption einer «onomasiologischen Vorgehensweise in zweisprachigen Werken der Zukunft».
(Aus dem Gutachten von Professor Wolfgang Schramm von der Universität Warschau)

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VII. Das Konzept VERWUNDERUNG in der deutschen und polnischen Phraseologie

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Die Verwunderung steht im Zusammenhang mit Gefühlen, wie z. B. Staunen, Überraschen, Schreck und Erregung. Die Reaktion des Menschen auf eine ver- blüffende Erscheinung kann als Bewegungslosigkeit des Körpers sprachlich auf- gefasst werden. Eine Redensart wie die biblischer Herkunft zur Salzsäule erstar- ren – ‚fassungslos, entsetzt, sprachlos sein und deswegen innehalten, unbeweglich dastehen‘ (Duden 2007: 1429) drückt diese Bewegungslosigkeit aus. In diesem Sinne ist das Konzept ANGST dem Konzept VERWUNDERUNG ähnlich, obwohl das Erstarren des Körpers in beiden emotionalen Konzeptualisierungen mit anderen Worten versprachlicht wird. Im Falle von Angst handelt es sich z. B. um Läh- mung des ganzen Körpers. Beim Staunen öffnen sich neben dem Erstarren alle Sinne, die das Wahrnehmen merkwürdiger Dinge ermöglichen. Diese Erfahrung wird auch in Worte gefasst. Sowohl im Deutschen als auch im Polnischen spielen dabei die weit aufgerissenen Augen in der Phraseologie eine große Rolle. Darüber hinaus ist der geöffnete Mund zu erwähnen, der auf Sprachlosigkeit hinweist. Im Augenblick der Verwunderung steht nämlich der Betroffene mit offenem Mund und möchte etwas sagen, aber er bringt vor Staunen kein Wort hervor. Diese An- zeichen wurden schon in Verbindung mit der Angst thematisiert, weil auch dieses Gefühl einem die Sprache verschlagen kann. Auf das Empfinden der Trockenheit im Mund und die damit verbundene Sprachlosigkeit weist der deutsche Phraseo- logismus Mir bleibt die Spucke weg!, der sowohl im Motto zu diesem Kapitel als auch weiter unten ausführlich besprochen wird. 216...

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