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Falsche Könige zwischen Thron und Galgen

Politische Hochstapelei von der Antike zur Moderne

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Gerhard Menzel

Das Phänomen politisch relevanter Hochstapelei, das heißt falscher Thronbewerber, die zeitweilig Herrschaft ausübten, Aufstände entfesselten, diplomatische Wirrungen verursachten, zumindest aber harte Sanktionen provozierten, begleitet die Geschichte der Monarchien von der Antike bis ins 19. Jahrhundert. Zwar sind die prominenteren Fälle vielfach untersucht worden, aber nur selten wurde das Thema in größeren Zusammenhängen fachhistorisch aufgegriffen. Eine Gesamtschau wurde vor allem populären Sammelbiographien überlassen. Ohne die darstellende Tradition dieser Sammelwerke gänzlich aufzugeben, orientiert sich diese Arbeit streng an den Quellen und der wissenschaftlichen Literatur. Sie bezieht bisher oft vernachlässigte Epochen und Räume ein, greift die Diskussion um Identitätsfragen und politische Hintergründe der Prätendenten auf, setzt die Einzelfälle in historische Zusammenhänge und öffnet den Blick auf die Rezeption des Themas in der schönen Literatur.

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XII. Eine portugiesische Sehnsucht: Sebastian

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Vorbemerkung: Portugal, zunächst nur eine kleine Grafschaft im (nordspani- schen) christlichen Königreich Asturien-Leon, hatte sich im 11. Jahrhundert verselbstständigt und im Verlauf der Reconquista zu einem eigenständigen Kö- nigreich erweitert. Im 15. Jahrhundert brachen seine Seefahrer auf der Suche nach dem Seeweg nach Indien zu ihren welthistorischen Entdeckungsfahrten auf. Aber um 1550 hatte Portugal bereits den Höhepunkt seiner geschichtlichen Glanzzeiten überschritten, die Epoche seiner großen Weltentdecker und Koloni- satoren, die einst nach Afrika, Indien, nach Ostasien und Brasilien ausschwärm- ten, war dahin. Man hatte sich auf ihren Erfolgen ausgeruht. Adel und Handels- bürger hatten sich in den goldenen Zeiten König Manuels (1495-1521) einen Lebensstil zugelegt, der jetzt längst nicht mehr ihren Einkünften entsprach und sie nun in Verschuldung trieb. Auch die Staatskasse leerte sich. Aber immer noch hing man den Träumen von großen Unternehmungen und ruhmvollen Abenteuern nach. Die Tragödie des echten Sebastian Der größte Phantast in dieser Hinsicht war der König des Landes selbst: Sebasti- an1. Im Grunde war der junge Herrscher, geboren 1554, seinem Großvater 1557 auf dem Thron gefolgt und 1568 für mündig erklärt, ein körperlich und seelisch krankes Geschöpf. Er war aus beinah inzestuösen Familienverbindungen her- vorgegangen. Seine Eltern waren Geschwisterkinder, seine beiden Großmütter waren Schwestern gewesen und stammten ihrerseits bereits aus Vetterehen. Der Heranwachsende hatte seine körperlichen Gebrechen mit exzessiven Leibes- übungen zu überwinden versucht. Überanstrengungen hatten ihn...

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