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Dialekt und Standardsprache in Italien und Europa

Edeltraud Werner zum 60. Geburtstag

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Thomas Bremer and Annette Schiller

Im Januar 2011 feierte Edeltraud Werner, seit 1994 Professorin für Französische und Italienische Sprachwissenschaft, ihren 60. Geburtstag. Aus diesem Anlass veranstaltete das Institut für Romanistik der Universität Halle ein Festkolloquium, in dessen Mittelpunkt das Verhältnis von Dialekt und Standardsprache, vor allem in Italien, aber auch in anderen europäischen Sprachen und Kulturen, stand. Die Beiträge des Bandes betrachten das Vorkommen von Dialekten und Minderheitensprachen in der Literatur früher und heute, in den neuen Medien sowie in Institutionen wie der Schule. Herausbildung, Wandel und soziokulturelle Wahrnehmung wichtiger europäischer Standardsprachen (Deutsch, Englisch, Französisch, Latein, Russisch) werden unter theoretischen und anwendungsbezogenen Gesichtspunkten beschrieben.

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Fokus Europa

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Bedeutungsveränderung im Valenzrahmen Gerhard Meiser Der Artikel beschreibt in Anlehnung an das aus Kasusgrammatik und Valenzgrammtik entwi- ckelte Frame-Semantics-Modell die Bedeutungserweiterung, die das Verbum curro ‚ich laufe’ vom 3. Jh. v. Chr. bis zum 4. Jh. n. Chr. erfahren hat. Dabei bleiben die Rahmenelemente (AREA, SPEED usw.) grundsätzlich stets gewahrt, werden im Laufe der Zeit jedoch mit immer neuen Klassen von Entitäten gefüllt, so dass durch schrittweise Ersetzung semantischer Merkmale die Bedeutung des Verbums metaphorisch stark erweitert werden kann. 1. In der syntaktischen Beschreibung altindogermanischer Sprachen erfreuen sich die Dependenz- und ganz besonders die Valenzgrammatik größerer Be- liebtheit als etwa Theorien, die in der Tradition der Generativen Transformati- onsgrammatik stehen.1 Das liegt zum einen daran, dass Dependenz- und Va- lenzgrammatik eine oberflächennahe Beschreibung syntaktischer Phänomene ermöglichen – bei Korpussprachen, für die keine InformantInnen mehr zur Ver- fügung stehen, zweifellos ein Vorteil.2 Zum anderen lässt sich die funktionale Differenzierung, wie sie durch die Berücksichtigung der semantischen Valenz erfasst werden kann, gut mit der teilweise recht kleinteiligen kategorialen Diffe- renzierung innerhalb der Kasussysteme altindoeuropäischer Sprachen korrelie- ren. Oberflächennähe und die Möglichkeit semantischer Differenzierung zu- sammen genommen machen Dependenz- und Kasusgrammatik schließlich auch hervorragend geeignet, syntaktischen und semantischen Wandel zu beschreiben. So konnte H. Hettrich etwa zeigen,3 dass bei Verben des Wegnehmens der- jenige, dem etwas weggenommen wird, im Akk. erscheint, wenn die Wegnahme gegen seinen Willen, gar gegen seinen Widerstand erfolgt, hingegen im Dativ, wenn...

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