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Selektive Modernisierung und Strukturstabilität

Anpassungsmuster der Old Order Amischgemeinschaft

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Axel Schmidt

Amischgemeinschaften in Nordamerika bestehen seit 300 Jahren in einer sie umschließenden Moderne. Es gelingt ihnen, ihre typischen Traditionsformen und Lebensweisen beharrlich und erfolgreich über lange Zeiträume aufrechtzuerhalten und sich als religiöse Minderheit zu behaupten. Um zu erklären, wie dies möglich ist, untersucht der Autor verschiedene Aspekte von Beständigkeit und Wandel in der Amischgemeinschaft. Es stellt sich heraus, dass Entscheidungsfindungen im religiösen und im weltlichen Bereich sich an bestimmten Kriterien orientieren. Diese werden in verschiedenen Modellen dargestellt, die über die bislang vorliegenden Erklärungsversuche von Einzelfallexplikation hinausgehen. Konkrete Zielsetzung der Arbeit ist es, die außergewöhnliche Stabilität dieser in sich abgeschlossenen Gemeinschaft durch die Selektive Modernisierung zu erklären.

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4 Elemente der Strukturstabilität

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Unter Inklusion und Exklusion wird im Zusammenhang mit der vorliegenden Arbeit der Mechanismus verstanden, mit dem die Gruppe nach innen die Rei- henschließung vornimmt und nach außen diese innere Schließung kommuni- ziert, um eine scharfe Grenze zu ziehen, die nur bedingte Durchlässigkeit er- möglicht.678 Das Eingeschlossensein in und das Ausgeschlossensein aus der je- weiligen Gemeinschaft bedingen einander: Ohne Inklusion ist keine Exklusion denkbar und umgekehrt.679 Niklas Luhmann entwickelt eine Sichtweise, wonach Inklusion stets als Kehrseite von Exklusion gedacht werden muss.680 Im Folgen- den werden die Begriffe der Inklusion und Exklusion und die damit zusammen- hängenden Mechanismen neu erarbeitet. Dies bietet sich deshalb an, da bei den Amischgemeinschaften der Einschluss der Mitglieder ebenso gut beobachtbar ist, wie der Ausschluss externer Personen, die nicht dazugehören. „Da Personen als Menschen erkennbar sind“ – formuliert Luhmann – „bedarf ihre Exklusion typisch einer Legitimation.“681 Die Exklusion der Amischen richtet sich gegen die English. Sie werden als Nichtdazugehörige ausgeschlossen, da sie die Zu- gangsberechtigung zum System nicht erfüllen. Sie gehören nicht zu dem auser- wählten Volk, sie leben nicht so, wie es in den Schriften vorgeschrieben ist und werden deshalb nicht erlöst werden. Sie sind legitimiert ausgeschlossen. Auch die Inklusion ist nicht beliebig. Sie stellt eine „Zuordnung zu bestimmten Seg- menten der Gesellschaft“ dar, den „Wohn- und Lebensgemeinschaften“,682 ana- lysiert Luhmann und fährt fort: „Die Inklusion folgt festen Regeln, zum Beispiel 678 Inklusion und Exklusion werden begrifflich oft im Zusammenhang mit Staatsbürger-...

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