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Selektive Modernisierung und Strukturstabilität

Anpassungsmuster der Old Order Amischgemeinschaft

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Axel Schmidt

Amischgemeinschaften in Nordamerika bestehen seit 300 Jahren in einer sie umschließenden Moderne. Es gelingt ihnen, ihre typischen Traditionsformen und Lebensweisen beharrlich und erfolgreich über lange Zeiträume aufrechtzuerhalten und sich als religiöse Minderheit zu behaupten. Um zu erklären, wie dies möglich ist, untersucht der Autor verschiedene Aspekte von Beständigkeit und Wandel in der Amischgemeinschaft. Es stellt sich heraus, dass Entscheidungsfindungen im religiösen und im weltlichen Bereich sich an bestimmten Kriterien orientieren. Diese werden in verschiedenen Modellen dargestellt, die über die bislang vorliegenden Erklärungsversuche von Einzelfallexplikation hinausgehen. Konkrete Zielsetzung der Arbeit ist es, die außergewöhnliche Stabilität dieser in sich abgeschlossenen Gemeinschaft durch die Selektive Modernisierung zu erklären.

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5 Handlungssystem und strukturelle Selektion

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5.1 Erläuterung der weiteren Argumentations- schritte In den folgenden Kapiteln 5.1 bis 5.7 werden nun aufeinander aufbauend ver- schiedene Handlungsmodelle vorgestellt. Sie sollen die Mechanismen der Ent- scheidungen und Handlungen aufzeigen. Die Handlungsmodelle erklären, wes- halb Akteure unter bestimmten Bedingungen spezifische Entscheidungen treffen und Handlungen vornehmen oder eben auch nicht. Ausgangspunkt (Kapitel 5.2) ist der von Talcott Parsons entworfene action frame of reference. In einem ers- ten Schritt wird dieser Handlungsrahmen vom Verfasser zunächst stark erweitert und modifiziert. Als analytisches Modell (Kapitel 5.3) leistet der erweiterte Handlungsrahmen eine erste Hilfestellung zur Erklärung der Handlungsabläufe. Das Modell beschreibt das Spannungsfeld, in dem der Akteur sich befindet und die ihn beeinflussenden Faktoren: Werte / Normen, Bedingungen und der Mit- teleinsatz. Die Defizite des Modells werden dabei allerdings sichtbar. Stattfindende Se- lektionsprozesse innerhalb des Systems können nicht hinreichend erklärt wer- den. Ausgleichen kann dieses Defizit die von Michael Schmid vorgeschlagene Theorie struktureller Selektion (Kapitel 5.4). Die Entstehung von sozialen Struk- turen wird detailliert ausgearbeitet. Dargelegt werden noch zu erläuternde Wie- derauftrittswahrscheinlichkeiten und die strukturellen Reproduktionsprozesse. Nicht zu erklären vermag diese Theorie wiederum, ob und unter welchen Bedingungen sich interne Variationen einstellen. – Dieses Manko versucht der von Niklas Luhmann vorgestellte evolutions- und selektionstheoretische Ansatz zu kompensieren, vgl. Kapitel 5.5. Evolution besteht nach Luhmann aus Repro- duktion, Variation und Selektion. Die daraus entstehenden (sozialen) Strukturen wirken entlastend und sind damit in gewissem Umfang prognostizierbar. Die Evolution ist als Prozess der Akteure in einer sich wandelnden Umwelt...

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