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«Nach Schottland also!»

Schottlandwahrnehmungen und Deutungen deutscher Reisender zwischen Romantik und Sachlichkeit von 1800-1870

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Thomas Zabel

Die Studie geht einem bisher kaum behandelten Aspekt der Romantik nach, der Scotophilie. Es handelt sich dabei um eine perzeptions- und mentalitätsgeschichtliche Entwicklung Schottlands und Deutschlands. Ziel der Studie ist die Rekonstruktion der Wirklichkeitsauffassung deutscher Reisender anhand ihrer publizierten Erfahrungsberichte, nicht die Wirklichkeit selbst. Aufgrund der Vielschichtigkeit einer kulturwissenschaftlichen Untersuchung ist die Methode interdisziplinär und synthetisch ausgelegt, um den zeitgeistbedingten Deutungskontext philosophisch und kulturhistorisch zu fassen. Die Wahrnehmung des Fremden aus der Sicht des Eigenen ist dabei von besonderer Bedeutung. Sie prägt letztlich ein klischeehaftes und verklärtes Bild von Schottland, das bis in unsere Tage bestand hat.

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II. Teil – Perzeptionsgeschichte Schottlands von 1458 bis 1773

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Der Wissenserwerb über eine fremde Kultur fand ausschließlich über den Pro- zess der Reise- und Berichttätigkeit und den daran anschließenden „Kulturkon- sum“ der Leserschaft statt.288 Ob die „antiken“ oder „mittelalterlichen“ Informa- tionen zeitgemäß oder authentisch waren, spielte keine Rolle. Im Gegenteil, die ethnischen Wertungen in diesen Überlieferungen beflügelten die Phantasie der Leser und ließen das Interesse an „der Fremde“ wachsen. Prominentester Her- ausgeber derartiger Schottlandberichte im 19. Jahrhundert war Walter Scott. Be- kannte und weniger bekannte Autoren fanden sich in seinem Quellenportfolio, welches er in der Hochphase der Schottlandhysterie nach und nach veröffent- lichte und für seine historischen Romane als Referenzliteratur gebrauchte. Durch die Rezeption seiner Werke gelangten alte Deutungen zu neuem Glanz und machten es möglich, den „edlen Wilden“ der Romantik auf den „wilden Barba- ren“ der Antike und den „furiosen Krieger“ im Mittelalter zurückzuführen.289 Eine vollständige historisch-chronologische Darstellung der Perzeptionsge- schichte Schottlands kann an dieser Stelle nicht erfolgen. Einen umfangreichen Überblick gewinnt man aber über die verschiedenen Sammelwerke, auf die an anderer Stelle verwiesen wurde.290 Zwar könnte man über die schiere Zahl der Schottlandberichte ins Staunen gera- ten, fügt man sie jedoch in die Zeitachse der Geschichte ein, bestätigt sich die Annahme einer lediglich sporadischen Wahrnehmung. Vom 4. vorchristlichen Jahrhundert bis in das Unionsjahr 1707 (ca. 2000 Jahre Kulturgeschichte), gab es weniger als 40 namhafte und authentische Berichte, die, in stark variieren- 288 Zum Begriff „Kulturkonsum“ als „passive Partizipation an der Populärkultur“ (in...

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