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Geburt, Taufe und Kirchgang in der Fürstenwelt des Alten Reichs

Hauke Petersen

Die Geburt eines fürstlichen Kindes war in der Frühen Neuzeit nicht nur ein Grund zur familiären Freude, sondern weckte auch Hoffnungen auf Erhalt und Steigerung dynastisch-politischer Macht. Sinnbildlich wurden diese Erwartungen im Tauffest mit der Aufnahme des Kindes in die fürstlich-weltliche und kirchliche Gemeinschaft. Im gesamten Verlauf von Schwangerschaft, Geburt, Taufe, Wochenbett und Kirchgang wurden Zeremoniell und Ritual genutzt, um politische Macht darzustellen und zu gestalten. Anhand von vier exemplarisch ausgewählten frühneuzeitlichen Höfen – Wien, Dresden, Stuttgart und Gottorf – wird die Bedeutung und die Instrumentalisierung fürstlicher Geburten, Taufen und Kirchgänge erklärt.

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5 Höfische Tauffeste in der Frühen Neuzeit – Vier Fallbeispiele

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5.1 Das „Stuttgarter Hoffest“ – Selbstvergewisserung der Protestantischen Union Am 19. Dezember 1615 gebar die Frau des württembergischen Herzogs Johann Friedrich, Barbara Sophia von Brandenburg, einen Sohn, welcher den Namen Friedrich erhielt. Das zu dessen Taufe abgehaltene Fest war das letzte große Hoffest vor dem 30-jährigen Krieg. Sein Vater befand sich in einer außenpoli- tisch und innenpolitisch schwierigen Lage.1 Beide Konfliktfelder zeichneten sich in den Tauffeierlichkeiten ab, die in einer gespannten Atmosphäre vom 10. bis zum 19. März 1616 stattfanden. Es wird in diesem Kapitel danach gefragt, wie der württembergische Hof und seine Gäste diese Konfliktlinien in allegorisch- symbolischen Bildern umsetzten und welche Bedeutung das Fest im Allgemei- nen sowie die festlichen Inventionen im Besonderen für die Selbstvergewisse- rung und die Außenwirkung der Protestantischen Union hatte. Es soll mithin analysiert werden, wie im Vorfeld des 30-jährigen Krieges Politik „gemacht“ wurde. 5.1.1 Protestantische Union vs. Katholische Liga: der Fall Württemberg Im Jahr 1534 führte Herzog Ulrich (1498-1550) in Württemberg mit Unterstüt- zung des hessischen Landgrafen Philipp I. die Reformation ein.2 Nach anfängli- chen Versuchen, zwinglianische Glaubenstendenzen und Luthertum miteinander zu verbinden, setzte sich ab 1538 die lutherische Ausrichtung durch. Württem- berg wurde damit zum größten und wichtigsten protestantischen Territorium im Süden des Reiches. Ulrichs Urenkel Friedrich I. (1557-1608) konnte erste Erfol- ge bei der Einigung der protestantischen Fürsten erzielen: So schloss er 1605 eine Allianz mit Pfalz-Neuburg und Baden-Durlach, 1607 mit der...

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